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Der Schach von Wuthenow

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3. Bei Sala Tarone Die Turmuhren auf dem Gensdarmenmarkt schlugen elf, als die Gäste der Frau von Carayon auf die  Behrenstraße  hinaustraten  und  nach  links  einbiegend  auf  die  Linden  zuschritten.  Der  Mond hatte sich verschleiert, und die Regenfeuchte, die bereits in der Luft l ag und auf Wetterumschlag deutete,  tat  allen  wohl.  An  der  Ecke  der  Linden  empfahl  sich  Schach,  allerhand  Dienstliches vorschützend,  während  Alvensleben,  Bülow  und  Sander  übereinkamen,  noch  eine  Stunde  zu plaudern. »Aber wo?« fragte Bülow, der im ganzen nicht wählerisch war, aber doch einen Abscheu gegen Lokale hatte, darin ihm »Aufpasser und Kellner die Kehle zuschnürten«. »Aber  wo?«  wiederholte  Sander.  »Sieh,  das  Gute  liegt  so  nah«,  und  wies  dabei  auf  einen Eckladen,   über   dem   in   mäßig   großen   Buchstaben   zu   lesen   stand:   Italiener-,   Wein-   und Delikatessenhandlung von Sala Tarone. Da schon geschlossen war, klopfte man an die Haustür, an deren einer Seite sich ein Einschnitt mit einer Klappe befand. Und wirklich, gleich darauf öffnete sich’s  von  innen,  ein  Kopf  erschien  am  Guckloch,  und  als  Alvenslebens  Uniform  über  den Charakter der etwas späten Gäste beruhigt hatte, drehte sich innen der Schlüssel im Schloß, und alle drei traten ein. Aber der Luftzug, der ging, löschte den Blaker aus, den der Küfer in Händen hielt, und  nur  eine  ganz  im  Hintergrunde,  dicht  über  der  Hoftür  schwelende  Laterne  gab  gerade  noch Licht genug, um das Gefährliche der Passage kenntlich zu machen. »Ich bitte Sie, Bülow, was sagen Sie zu diesem Defilee?« brummte Sander, sich immer dünner machend, und wirklich hieß es auf der Hut sein, denn in Front der zu beiden Seiten liegenden Öl- und Weinfässer standen Zitronen- und Apfelsinenkisten, deren Deckel nach vorn hin aufgeklappt waren. »Achtung«, sagte der Küfer. »Is hier allens voll Pinnen und Nägel. Habe mir gestern erst einen eingetreten.« »Also  auch  spanische  Reiter  ...  Oh,  Bülow!  In  solche  Lage  bringt  e inen  ein  militärischer Verlag.« Dieser  Sandersche  Schmerzensschrei  stellte  die  Heiterkeit  wieder  her,  und  unter  Tappen  und Tasten  war  man  endlich  bis  in  die  Nähe  der  Hoftür  gekommen,  wo,  nach  rechts  hin,  einige  der Fässer weniger dicht nebeneinander lagen. Hier zwängte man sich denn auch durch und gelangte mit Hilfe von vier oder fünf steilen Stufen in eine mäßig große Hinterstube, die gelb gestrichen und halb verblakt und nach Art aller »Frühstücksstuben« um Mitternacht am vollsten war. Überall, an niedrigen  Paneelen  hin,  standen  lange,  längst  eingesessene  Ledersofas  mit  kleinen  und  großen Tischen davor, und nur eine Stelle war da, wo dieses Mobiliar fehlte. Hier stand vielmehr ein mit Kästen  und  Regalen  überbautes  Pult,  vor  welchem  einer  der  Repräsentanten  der  Firma  tagaus, tagein   auf   einem   Drehschemel   ritt   und   seine   Befehle   (gewöhnlich   nur   ein   Wort)   in   einen unmittelbar neben dem Pult befindlichen Keller hinunterrief, dessen Falltür immer offen stand. Unsere  drei  Freunde  hatten  in  einer  dem  Kellerloch  schräg  gegenüber  gelegenen  Ecke  Platz genommen, und Sander, der grad’ lange genug Verleger war, um sich auf lukullische Feinheiten zu verstehen, überflog eben die Wein- und Speisekarte. Diese war in russisch Leder gebunden, roch aber nach Hummer. Es schien nicht, daß unser Lukull gefunden hatte, was ihm gefiel; er schob also die Karte wieder fort und sagte: »Das Geringste, was ich von einem solchen hundstäglichen April erwarten kann, sind Maikräuter, Asperula odorata Linnéi. Denn ich hab auch Botanisches verlegt. Von  dem  Vorhandensein  frischer  Apfelsinen  haben  wir  uns  draußen  mit  Gefahr  unseres  Lebens überzeugt, und für den Mosel bürgt uns die Firma.« Der Herr am Pult rührte sich nicht, aber man sah deutlich, daß er mit seinem Rücken zustimmte, Bülow und Alvensleben taten desgleichen, und Sander resolvierte kurz:   »Also Maibowle.« Das  Wort  war  absichtlich  laut  und  mit  der  Betonung  einer  Order  gesprochen  worden,  und  im selben Augenblick scholl es auch schon vom Drehstuhl her in das Kellerloch hinunter: »Fritz!« Ein zunächst  nur  mit  halber  Figur  aus  der  Versenkung  auftauchender,  dicker  und  kurzhalsiger  Junge 9
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Mit Vertrag über die abschließen...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsges...
Wettbewerbsrecht, Markenrecht und Kartellrecht
 
   
 
     
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