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Der Schach von Wuthenow

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»Das hat er. Aber er kann unser Geschick nicht wenden, wenigstens auf die Dauer nicht. Dies Geschick heißt Einverleibung in das Universelle. Der nationale wie der konfessionelle Standpunkt sind hinschwindende Dinge, vor allem aber ist es der preußische Standpunkt und sein alter ego, der lutherische. Beide sind künstliche Größen. Ich frage, was bedeuten sie? welche Missionen erfüllen sie? Sie ziehen Wechsel aufeinander, sie sind sich gegenseitig Zweck und Aufgabe, das ist  alles. Und  das  soll  eine  Weltrolle  sein?  Was  hat  Preußen  der  Welt  geleistet?  Was  find  ich,  wenn  ich nachrechne?  Die  großen  Blauen  König  Friedrich  Wilhelms  I.,  den  eisernen  Ladestock,  den  Zopf und  jene  wundervolle  Moral,  die  den  Satz  erfunden  hat,  ›ich  hab  ihn  an  die  Krippe  gebunden, warum hat er nicht gefressen?‹« »Gut, gut. Aber Luther ...« »Nun wohl denn, es geht eine Sage, daß mit dem Manne von Wittenberg die Freiheit in die Welt gekommen sei, und beschränkte Historiker haben es dem norddeutschen Volke so lange versichert, bis man’s geglaubt hat. Aber was hat er denn in Wahrheit in die Welt gebracht? Unduldsamkeit und Hexenprozesse,   Nüchternheit   und   Langeweile.   Das   ist   kein   Kitt   für   Jahrtausende.   Jener Weltmonarchie, der nur noch die letzte Spitze fehlt, wird auch eine Weltkirche folgen, denn wie die kleinen Dinge sich finden und im Zusammenhange stehen, so die großen noch viel mehr. Ich werde mir den Bühnen-Luther nicht ansehen, weil er mir in dieses Herren Zacharias Werner Verzerrung einfach  ein  Ding  ist,  das  mich  ärgert;  aber  ihn  nicht  ansehen,  weil  es  Anstoß  gebe,  weil  es Entheiligung sei, das ist mehr, als ich fassen kann.« »Und wir, lieber Bülow«, unterbrach Frau von Carayon, »wir werden ihn uns ansehen, trotzdem es uns Anstoß gibt. Victoire hat recht, und wenn bei Iffland die Eitelkeit stärker sein darf als das Prinzip, so bei uns die Neugier. Ich hoffe, Herr von Schach und Sie, lieber Alvensleben, werden uns begleiten.  Übrigens  sind  ein  paar  der  eingelegten  Lieder  nicht  übel.  Wir  erhielten  sie  gestern. Victoire, du könntest uns das ein’ oder andere davon singen.« »Ich habe sie kaum durchgespielt.« »Oh, dann bitt ich um so mehr«, bemerkte Schach. »Alle Salonvirtuosität ist mir verhaßt. Aber, was ich in der Kunst liebe, das ist ein solches poetisches Suchen und Ta ppen.« Bülow lächelte vor sich hin und schien sagen zu wollen: »Ein je der nach seinen Mitteln.« Schach aber führte Victoire an das Klavier, und diese sang, während er begleitete: Die Blüte, sie schläft so leis und lind Wohl in der Wiege von Schnee; Einlullt sie der Winter: »Schlaf ein geschwind, Du blühendes Kind.« Und das Kind es weint und verschläft sein Weh, Und hernieder steigen aus duftiger Höh Die Schwestern und lieben und blühn ... Eine kleine Pause trat ein, und Frau von Carayon fragte: »Nun, Herr Sander, wie besteht es vor Ihrer Kritik?« »Es muß sehr schön sein«, antwortete dieser. »Ich versteh es nicht. Aber hören wir weiter. Die Blüte, die vorläufig noch schläft, wird doch wohl mal erwachen.« Und kommt der Mai dann wieder so lind, Dann bricht er die Wiege von Schnee, Er schüttelt die Blüte: »Wach auf geschwind, Du welkendes Kind.« Und es hebt die Äuglein, es tut ihm weh, Und steigt hinauf in die leuchtende Höh’, Wo strahlend die Brüderlein blühn. Ein lebhafter Beifall blieb nicht aus. Aber er galt ausschließlich Victoiren und der Komposition, und als schließlich auch der Text an die Reihe kam, bekannte sich alles zu Sanders ketzerischen Ansichten. Nur  Bülow  schwieg.  Er  hatte,  wie  die  meisten  mit  Staatenuntergang  beschäftigten  Frondeurs, auch  seine  schwachen  Seiten,  und  eine  davon  war  durch  das  Lied  getroffen  worden.  An  dem halbumwölkten Himmel draußen funkelten ein paar Sterne, die Mondsichel stand dazwischen, und 7
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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