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Der Schach von Wuthenow

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Kürschen hingen.« In diesen Satz vertiefte sie sich immer mehr, ohne daß die Bedeutung desselben dadurch klarer geworden wäre. Nach   Tante   Margueritens   Toast   löste   sich   die  Tafelreihe;  jeder  verließ  seinen  Platz,  um abwechselnd hier oder dort eine Gastrolle geben zu können, und als bald danach auch die großen Jostyschen   Devisenbonbons   umhergereicht   und   allerlei   Sprüche   wie   beispielsweise   »Liebe wunderbare Fee, selbst dein Wehe tut nicht weh«, aller kleinen und undeutlichen Schrift unerachtet, entziffert und verlesen worden waren, erhob man sich von der Tafel. Alvensleben führte Frau von Carayon, Sander Tante Marguerite, bei welcher Gelegenheit, und zwar über das Ruth-Thema, von seiten Sanders allerlei kleine Neckereien verübt wurden, Neckereien, die der Tante so sehr gefielen, daß sie Victoiren, als der Kaffee serviert wurde, zuflüsterte: »Scharmanter Herr. Und so galant. Und so bedeutungsvoll.« Schach  sprach  viel  mit  Sander,  erkundigte  sich  nach  Bülow,  »der  ihm  zwar  nie  sympathisch, aber trotz all seiner Schrullen immer ein Gegenstand des Interesses gewesen sei«, und bat Sander, ihm, bei sich darbietender Gelegenheit, dies ausdrücken zu wollen. In all em, was er sagte, sprach sich Freundlichkeit und ein Hang nach Versöhnung aus. In diesem Hange nach Versöhnung stand er aber nicht allein da, sondern begegne te sich darin mit Frau von Carayon. Als ihm diese persönlich eine zweite Tasse präsentierte, sagte sie, während er den Zucker aus einer Schale nahm: »Auf ein Wort, lieber Schach, aber im Nebenzimmer.« Und sie ging ihm dahin vorauf. »Lieber Schach«, begann sie, hier auf einem großgeblümten Kanapee Platz nehmend, von dem aus beide mit Hilfe der offenstehenden Flügeltür einen Blick auf das Eckzimmer hin frei hatten, »es sind dies unsere letzten Minuten, und ich möchte mir, ehe wir Abschied voneinander nehmen, noch manches von der Seele heruntersprechen. Ich will nicht mit meinem Alter kokettieren, aber ein Jahr ist eine lange Zeit, und wer weiß, ob wir uns wiedersehen. Über Victoire kein Wort. Sie wird Ihnen keine trübe Stunde machen; sie liebt Sie zu sehr, um es zu können oder zu wollen. Und Sie, lieber Schach,  werden  sich  dieser  Liebe  würdig  zeigen.  Sie  werden  ihr  nicht  wehe  tun,  diesem  süßen Geschöpf,  das  nur  Demut  und  Hingebung  ist.  Es  ist  unmöglich.  Und  so  verlang  ich  denn  kein Versprechen von Ihnen. Ich weiß im voraus, ich hab es.« Schach sah vor sich hin, als Frau von Carayon diese Worte sprach und tröpfelte, während er die Tasse mit der Linken hielt, den Kaffee langsam aus dem zierlichen kleinen Löffel. »Ich habe seit unserer Versöhnung«, fuhr sie fort, »mein Vertrauen wieder. Aber dies Vertrauen, wie mein Brief Ihnen schon aussprach, war in Tagen, die nun glücklicherweise hinter uns liegen, um vieles mehr, als ich es für möglich gehalten hätte, von mir gewichen, und in diesen Tagen hab ich harte Worte gegen Sie gebraucht, harte Worte, wenn ich mit Victoiren sprach, und noch härtere, wenn  ich  mit  mir  allein  war.  Ich  habe  Sie  kleinlich  und  hochmütig,  eitel  und  bestimmbar gescholten, und habe Sie, was das Schlimmste war, der Undankbarkeit und der lâcheté geziehen. Und  das  beklag  ich  jetzt  und  schäme  mich  einer  Stimmung,  die  mich  unsre  Vergangenheit  so vergessen lassen konnte.« Sie schwieg einen Augenblick. Aber als Schach antworten wollte, litt sie’s nicht und sagte: »Nur ein  Wort  noch.  Alles,  was  ich  in  jenen  Tagen  gesagt  und  gedacht  habe,  bedrückte  mich  und verlangte  nach  dieser  Beichte.  Nun  erst  ist  alles  wieder  klar  zwischen  uns,  und  ich  kann  Ihnen wieder frei ins Auge sehen. Aber nun genug. Kommen Sie. Man wird uns ohnehin schon vermißt haben.« Und  sie  nahm  seinen  Arm  und  scherzte:  »Nicht  wahr?  On  revient  toujours  à  ses  premiers amours. Und ein Glück, daß ich es Ihnen lachend aussprechen kann, und in einem Momente reiner und ganzer Freude.« Victoire trat Schach und ihrer Mama von dem Eckzimmer her entgegen und sagte: »Nun, was war es?« »Eine Liebeserklärung.« »Ich dacht es. Und ein Glück, Schach, daß wir morgen reisen. Nicht wahr? Ich möchte der Welt um keinen Preis das Bild einer eifersüchtigen Tochter geben.« 69
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
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Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
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