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Der Schach von Wuthenow

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entgegengesetzten Seite kennengelernt – werde dann die Hochzeit zu folgen haben. Und zwar in ihrer eignen Wohnung, da sie Hochzeiten in einem Hotel oder Gasthause von ganzer Seele hasse. Was dann weiter zu geschehen habe, das stehe bei dem jungen Paare; sie sei neugierig, ob Venedig über Wuthenow, oder Wuthenow über Venedig den Sieg davontragen werde. Die Lagunen hätten sie gemeinsam und die Gondel auch, und nur um eines müsse sie bitten, daß der kleine Brückensteg unterm Schilf, an dem die Gondel liege, nie zur Seufzerbrücke erhoben werde. So ging das Geplauder, und so verging der Besuch. Am  Sonntage,  wie  verabredet,  erfolgte  das  Aufgebot,  und  der  Freitag,  an  dem  die  Hochzeit stattfinden sollte, rückte heran. Alles im Carayonschen Hause war Aufregung, am aufgeregtesten Tante Marguerite, die jetzt täglich erschien und durch ihre naive Glü ckseligkeit alles Unbequeme balancierte, das sonst unzertrennlich von ihrem Erscheinen war. Abends kam Schach. Er war heiterer und in seinem Urteile milder als sonst und vermied nur in ebenso bemerkenswerter wie zum Glück unbemerkt bleibender Weise, von der Hochzeit und den Vorbereitungen dazu zu sprechen. Wurd er gefragt, ob er dies oder jenes wünsche, so bat er mit einer Art von Empressement, »ganz nach eigenem Dafürhalten verfahren zu wollen; er kenne den Takt und guten Geschmack der Damen und wisse, daß ohne sein Raten und Zutun alles am besten entschieden werden würde; wenn ihm dabei manches dunkel und geheimnisvoll bleibe, so sei dies ein  Vorteil  mehr  für  ihn,  hab  er  doch  von  Jugend  auf  eine  Neigung  gehabt,  sich  überraschen  zu lassen.« Unter  solchen  Ausflüchten  entzog  er  sich  jedem  Geplauder,  das,  wie  Tante  Marguerite  sich ausdrückte, »den Ehrentag en vue hatte«, war aber um so plauderhafter, wenn das Gespräch auf die Reisetage  nach  der  Hochzeit  hinüberlenkte.  Denn  Venedig,  aller  halben  Widerrede  der  Frau  von Carayon  zum  Trotz,  hatte  doch  schließlich  über  Wuthenow  gesiegt,  und  Schach,  wenn  die  Rede darauf kam, hing mit einer ihm sonst völlig fremden Phantastik allen erdenklichen Reiseplänen und Reisebildern nach. Er wollte nach Sizilien hinüber und die Sireneninseln passieren, »ob frei oder an den Mast gebunden, überlaß er Victoiren und ihrem Vertrauen«. Und dann wollten sie nach Malta. Nicht um Maltas willen, o nein. Aber auf dem Wege dahin sei die Stelle, wo der geheimnisvolle schwarze Weltteil in Luftbildern und Spiegelungen ein allererstes Mal zu dem in Nebel und Schnee gebornen  Hyperboreer  spräche.  Das  sei  die  Stelle,  wo  die  bilderreiche  Fee  wohne,  die  stumme Sirene, die mit dem Zauber ihrer Farbe fast noch verführerischer locke, als die singende. Beständig wechselnd  seien  die  Szenen  und  Gestalten  ihrer  Laterna  magica,  und  während  eben  noch  ein ermüdeter Zug über den gelben Sand ziehe, dehne sich’s plötzlich wie grüne Triften, und unter der schattengebenden Palme säße die Schar der Männer, die Köpfe gebeugt und alle Pfeifen in Brand, und schwarz und braune Mädchen, ihre Flechten gelöst und wie zum Tanze geschürzt, erhüben die Becken  und  schlügen  das  Tamburin.  Und  mitunter  sei’s,  als  lach  es.  Und  dann  schwieg  es  und schwänd es wieder. Und diese Spiegelung aus der geheimnisvollen Ferne, das sei das Ziel! Und Victoire jubelte, hingerissen von der Lebhaftigkeit seiner Schilderu ng. Aber im selben Augenblick überkam es sie bang und düster, und in ihrer Seele rief eine Stimme: Fata Morgana. 67
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
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Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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