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Der Schach von Wuthenow

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Fährbrücke  her  auf  sich  zukommen,  eine  Hofdame  mit  ihr,  allem  Anscheine  nach  das  jüngere Fräulein von Viereck. Er ging beiden Damen entgegen und trat in gemessener Entfernung beiseite, um die militärischen Honneurs zu machen. Das Hoffräulein blieb um einige Schritte zurück. »Ich freue mich, Sie zu sehen, Herr von Schach. Sie kommen vom Könige.« »Zu Befehl, Euer Majestät.« »Es ist etwas gewagt«, fuhr die Königin fort, »daß ich Sie habe bitten lassen. Aber der König, der anfänglich dagegen war und mich darüber verspottete, hat es schließlich gestattet. Ich bin eben eine Frau, und es wäre hart, wenn ich mich meiner Frauenart entschlagen müßte, nur weil ich eine Königin bin. Als Frau aber interessiert mich alles, was unser Geschlecht angeht, und was ging uns näher an als eine solche question d’amour.« »Majestät sind so gnädig.« »Nicht  gegen  Sie,  lieber  Schach.  Es  ist  um  des  Fräuleins  willen  ...  Der  König  hat  mir  alles erzählt, und Köckritz hat von dem Seinen hinzugetan. Es war denselben Tag, als ich von Pyrmont wieder in Paretz eintraf, und ich kann Ihnen kaum aussprechen, wie groß meine Teilnahme mit dem Fräulein war. Und nun wollen Sie, gerade Sie, dem lieben Kinde diese Teilnahme versagen und mit dieser Teilnahme zugleich sein Recht. Das ist unmöglich. Ich kenne Sie so lange Zeit und habe Sie jederzeit als einen Kavalier und Mann von Ehre befunden. Und dabei, denk ich, belassen wir’s. Ich habe  von  den  Spottbildern  gehört,  die  publiziert  worden  sind,  und  diese  Bilder,  so  nehm  ich  an, haben  Sie  verwirrt  und  Ihnen  Ihr  ruhiges  Urteil  genommen.  Ich  begreife  das,  weiß  ich  doch  aus allereigenster  Erfahrung,  wie  weh  dergleichen  tut  und  wie  der  giftige  Pfeil  uns  nicht  bloß  in unserem Gemüte verwundet, sondern auch verwandelt und nicht verwandelt zum Besseren. Aber wie dem auch sei, Sie mußten sich auf sich selbst besinnen, und damit zugleich auch auf das, was Pflicht und Ehre von Ihnen fordern.« Schach schwieg. »Und  Sie  werden  es«,  fuhr  die  Königin  immer  lebhafter  werdend  fort,  »und  werden  sich  als einen  Reuigen  und  Bußfertigen  zeigen.  Es  kann  Ihnen  nicht  schwer  werden,  denn  selbst  aus  der Anklage  gegen  Sie,  so  versicherte  mir  der  König,  habe  noch  immer  ein  Ton  der  Zuneigung gesprochen. Seien Sie dessen gedenk, wenn Ihr Entschluß je wieder ins Schwanken kommen sollte, was ich nicht fürchte. Wüßt ich doch kaum etwas, was mir in diesem Augenblicke so lieb wäre, wie die  Schlichtung  dieses  Streites  und  der  Bund  zweier  Herzen,  die  mir  für  einander  bestimmt erscheinen.  Auch  durch  eine  recht  eigentliche  Liebe.  Denn  Sie  werden  doch,  hoff  ich,  nicht  in Abrede stellen wollen, daß es ein geheimnisvoller Zug war, was Sie zu diesem lieben und einst so schönen Kinde hinführte. Das Gegenteil anzunehmen, widerstreitet mir. Und nun eilen Sie heim, und machen Sie glücklich und werden Sie glücklich. Meine Wünsche begleiten Sie, Sie beide. Sie werden sich zurückziehen, solang es die Verhältnisse gebieten; unter allen Umständen erwart ich, daß Sie mir Ihre Familienadresse melden und den Namen Ihrer Königin als erste Taufpatin in Ihr Wuthenower Kirchenbuch eintragen lassen. Und nun Gott befohlen.« Ein Gruß und eine freundliche Handbewegung begleiteten diese Worte; Schach aber, als er sich kurz vor der Gartenfront noch einmal umsah, sah, wie beide Damen in einen Seitenweg einbogen und auf eine schattige, mehr der Spree zu gelegene Partie des Parkes zuschritten. Er selbst saß eine Viertelstunde später wieder im Sattel; Ordonnanz Baarsch folgte. Die gnädigen Worte beider Majestäten hatten eines Eindruckes auf ihn nicht verfehlt; trotzdem war er nur getroffen, in nichts aber umgestimmt worden. Er wußte, was er dem König schuldig sei: Gehorsam! Aber sein Herz widerstritt, und so galt es denn für ihn, etwas ausfi ndig zu machen, was Gehorsam und Ungehorsam in sich vereinigte, was dem Befehle seines Königs und dem Befehle seiner eigenen Natur gleichmäßig entsprach. Und dafür gab es nur einen Weg. Ein Gedanke, den er schon in Wuthenow gefaßt hatte, kam ihm jetzt wieder ein und reifte rasch zum Entschluß, und je fester er ihn werden fühlte, desto mehr fand er sich in seine frühere gute Haltung und Ruhe zurück. »Leben«, sprach er vor sich hin. »Was ist leben? Eine Frage von Minuten, eine Differenz von heut auf morgen.« Und er fühlte sich, nach Tagen schweren Druckes, zum ersten Male wieder leicht und frei. 64
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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