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Der Schach von Wuthenow

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17. Schach in Charlottenburg Eine  Woche  später  hatten  König  und  Königin  Paretz  wieder  verlassen,  und  schon  am  Tage danach ritt Rittmeister von Schach in Veranlassung eines ihm in Schloß Wuthenow übergebenen Kabinettsschreibens  nach  Charlottenburg  hinaus,  wohin  inzwischen  der  Hof  übersiedelt  war.  Er nahm  seinen  Weg  durchs  Brandenburger  Tor  und  die  große  Tiergartenallee,  links  hinter  ihm Ordonnanz Baarsch, ein mit einem ganzen Linsengericht von Sommersprossen überdeckter Rotkopf mit übrigens noch röterem Backenbart, auf welchem roten und etwas abstehenden Bart hin Zieten zu   versichern   pflegte,   »daß   man   auch   diesen   Baarsch   an   seinen   Flossen   erkennen   könne«. Wuthenower Kind und seines Gutsherrn und Rittmeisters ehemaliger Spielgefährte, war er diesem und allem, was Schach hieß, selbstverständlich in unbedingten Treuen ergeben . Es  war  vier  Uhr  nachmittags  und  der  Verkehr  nicht  groß,  trotzdem  die  Sonne  schien  und  ein erquickender  Wind  wehte.  Nur  wenige  Reiter  begegneten  ihnen,  unter  diesen  auch  ein  paar Offiziere von Schachs Regiment. Schach erwiderte ihren Gruß, passierte den Landwehrgraben und ritt bald danach in die breite Charlottenburger Hauptstraße mit ihren Sommerhäusern und Vorgärten ein. Am türkischen Zelt, das sonst wohl sein Ziel zu sein pflegte, wollte sein Pferd einbiegen; er zwang es aber und hielt erst bei dem Morellischen Kaffeehause, das ihm heute für den Gang, den er vorhatte, bequemer gelegen war. Er schwang sich aus dem Sattel, gab der Ordonnanz den Zügel und ging ohne Versäumnis auf das Schloß zu. Hier trat er nach Passierung eines öden und von der Julisonne längst verbrannten Grasvierecks erst in ein geräumiges Treppenhaus und bald danach in einen  schmalen  Korridor  ein,  an  dessen  Wänden  in  anscheinend  überlebensgroßen  Porträts  die glotzäugigen blauen Riesen König Friedrich Wilhelms I. paradierten. Am Ende dieses Ganges aber traf er einen Kammerdiener, der ihn, nach vorgängiger Meldung, in das Arbeitskabinett des Königs führte. Dieser stand an einem Pult, auf dem Karten ausgebreitet lagen, ein paar Pläne der Austerlitzer Schlacht. Er wandte sich sofort, trat auf Schach zu und sagte: »Habe Sie rufen lassen, lieber Schach ...  Die  Carayon;  fatale  Sache.  Spiele  nicht  gern  den  Moralisten  und  Spli tterrichter;  mir  verhaßt; auch meine Verirrungen. Aber in Verirrungen nicht stecken bleiben; wieder gutmachen. Übrigens nicht recht begreife. Schöne Frau, die Mutter; mir sehr gefallen; kluge Frau.« Schach verneigte sich. »Und  die  Tochter!  Weiß  wohl,  weiß;  armes  Kind  ...  Aber  enfin,  müssen  sie  doch  scharmant gefunden haben. Und was man einmal scharmant gefunden, findet man, wenn man nur will, auch wieder. Aber das ist Ihre Sache, geht mich nichts an. Was mich angeht, das ist die honnêteté. Die verlang ich, und um dieser honnêteté willen verlang ich Ihre Heirat mit dem Fräulein von Carayon. Oder Sie müßten denn Ihren Abschied nehmen und den Dienst quittieren wollen.« Schach schwieg, verriet aber durch Haltung und Miene, daß ihm dies das Schmerzlichste sein würde. »Nun, denn bleiben also; schöner Mann; liebe das. Aber Remedur muß geschafft werden, und bald, und gleich. Übrigens alte Familie, die Carayons, und wird Ihren Fräulein Töchtern – Pardon, lieber   Schach   –   die   Stiftsanwartschaft   auf   Marienfließ   oder   Heiligengrabe   nicht   verderben. Abgemacht also. Rechne darauf, dringe darauf. Und werden mir Meldung machen.« »Zu Befehl, Ew. Majestät.« »Und  noch  eines;  habe  mit  der  Königin  darüber  gesprochen;  will  Sie  sehen;  Frauenlaune. Werden sie drüben in der Orangerie treffen ... Dank Ihnen.« Schach  war  gnädig  entlassen,  verbeugte  sich  und  ging  den  Korridor  hinunter  auf  das  am entgegengesetzten Flügel des Schlosses gelegene große Glas- und Gewächshaus zu, von dem der König gesprochen hatte. Die Königin aber war noch nicht da, vielleicht noch im Park. So trat er denn in diesen hinaus und schritt auf einem Fliesengange zwischen einer Menge hier aufgestellter römischer Kaiser auf und ab, von denen ihn einige faunartig anzulächeln schienen. Endlich sah er die Königin von der 63
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Mit Vertrag über die abschließen...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsges...
Wettbewerbsrecht, Markenrecht und Kartellrecht
 
   
 
     
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