Titel:

Der Schach von Wuthenow

Startseite
english
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
|<< Anfang     < Zurück     Index     Weiter >     Ende >>|
  Wir empfehlen:       
 

hinlaufenden  Weg  ein,  dessen  einreihig  gepflanzte  Bäume  mit  ihrem  weit  ausgestreckten  und niederhängenden  Gezweige  den  Wasserspiegel  berührten.  In  dem  Gitterwerke  der  Blätter  aber glomm und glitzerte die niedergehende Sonne. Frau von Carayon vergaß über diese Schönheit all ihr  Leid  und  fühlte  sich  dem  Zauber  derselben  erst  wieder  entrissen,  als  der  Wagen  aus  dem Uferweg  abermals  in  den  großen  Mittelgang  einbog  und  gleich  danach  vor  einem  aus  Backstein aufgeführten, im übrigen aber mit Gold und Marmor reich geschmückten Hause hielt. »Wem gehört es?« »Dem König.« »Und wie heißt es?« »Das Marmorpalais.« »Ah, das Marmorpalais. Das ist also das Palais ...« »Zu dienen, gnädige Frau. Das ist das Palais,  in dem weiland Seine Majestät König Friedrich Wilhelm der Zweite seiner langen und schmerzlichen Wassersucht allerhöchst erlag. Und steht auch noch  alles  ebenso,  wie’s  damals  gestanden  hat.  Ich kenne das Zimmer ganz genau, wo der gute, gnädige  Herr  immer  ›den  Lebensgas‹  trank,  den  ihm  der  Geheimrat  Hufeland  in  einem  kleinen Ballon ans Bett bringen ließ oder vielleicht auch bloß in einer Kalbsblase. Wollen die gnädige Frau das  Zimmer  sehen?  Es  ist  freilich  schon  spät.  Aber  ich  kenne  den  Kammerdiener,  und  er  tut  es, denk ich, auf meinen Empfehl ... versteht sich ... Und ist auch dasselbe kleine Zimmer, worin sich eine Figur von der Frau Rietz oder, wie manche sagen, von der Mamsell Encken oder der Gräfin Lichtenau befindet, das heißt, nur eine kleine Figur, so bloß bis an die Hüften oder noch weniger.« Frau von Carayon dankte. Sie war bei dem Gange, der ihr für morgen bevorstand, nicht in der Laune,  das  Allerheiligste  der  Rietz  oder  auch  nur  ihre  Porträtbüste  kennenlernen  zu  wollen.  Sie sprach also den Wunsch aus, immer weiter in den Park hineinzufahren, und ließ erst umkehren, als schon die Sonne nieder war und ein kühlerer Luftton den Abend ankündigte. Wirklich, es schlug neun,   als   man   auf   der   Rückfahrt   an   der   Garnisonskirche   vorüberkam,   und   ehe   noch   das Glockenspiel seinen Choral ausgespielt hatte, hielt der Wagen wieder vor dem »Einsiedler«. Die  Fahrt  hatte  sie  gekräftigt  und  ihr  ihren  Mut  zurückgegeben.  Dazu  kam  eine  wohltuende Müdigkeit, und sie schlief besser als seit lange. Selbst was sie trä umte, war hell und licht. Am anderen Morgen erschien, wie verabredet, ihre nun wieder ausgeruhte Berliner Equipage vor dem Hotel; da sie jedoch allen Grund hatte, der Kenntnis und Umsicht ihres eigenen Kutschers zu mißtrauen, engagierte sie, wie zur Aushilfe, denselben Lohndiener wieder, der sich gestern, aller kleinen Eigenheiten seines Standes unerachtet, so vorzüglich bewährt hatte. Das gelang ihm denn auch  heute  wieder.  Er  wußte  von  jedem  Dorf  und  Lustschloß,  an  dem  man  vorüberkam,  zu berichten, am meisten von Marquardt, aus dessen Parke, zu wenigstens vorübergehendem Interesse der Frau von Carayon, jenes Gartenhäuschen hervorschimmerte, darin unter Zutun und Anleitung des  Generals  von  Bischofswerder  dem  »dicken  Könige«  (wie  sich  der  immer  konfidentieller werdende Cicerone jetzt ohne weiteres ausdrückte) die Geister erschi enen waren. Eine Viertelmeile hinter Marquardt hatte man die »Wublitz«, einen von Mummeln überblühten Havelarm,  zu  passieren,  dann  folgten  Äcker  und  Wiesengründe,  die  hoch  in  Gras  und  Blumen standen,  und  ehe  noch  die  Mittagsstunde  heran  war,  war  ein  Brückensteg  und  alsbald  auch  ein offenstehendes Gittertor erreicht, das den Paretzer Parkeingang bildete. Frau von Carayon, die sich ganz als Bittstellerin empfand, ließ in dem ihr eigenen feinen Gefühl an dieser Stelle halten und stieg aus, um den Rest des Weges zu Fuß zu machen. Es war nur eine kleine, sonnenbeschienene Strecke noch, aber gerade das Sonnenlicht war ihr peinlich, und so hielt sie sich denn seitwärts unter den Bäumen hin, um nicht vor der Zeit gesehen zu werden. Endlich  indes  war  sie  bis  an  die  Sandsteinstufen  des  Schlosses  heran  und  schritt  sie  tapfer hinauf. Die Nähe der Gefahr hatte ihr einen Teil ihrer natürlichen  Entschlossenheit zurückgegeben. »Ich  wünsche  den  General  von  Köckritz  zu  sprechen«,  wandte  sie  sich  an  einen  im  Vestibül anwesenden  Lakaien,  der  sich  gleich  beim  Eintritt  der  schönen  Dame  von  seinem  Sitz  erhoben hatte. »Wen hab ich dem Herrn General zu melden?« »Frau von Carayon.« 60
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
|<< Anfang     < Zurück     Index     Weiter >     Ende >>| 

Zurück zu Themenseiten:
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres/Romane
CopyrightedBy.com/Startseite/Autoren/F/Fontane

Das Setzen von Verweisen (Links) auf diese Seite ist gestattet und bedarf keine vorherige Absprache.
   
  Startseite  |  english  |  Bookmark setzen  |  Webseite weiterempfehlen  |  Impressum