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Der Schach von Wuthenow

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16. Frau von Carayon und der alte Köckritz Der   Mittwoch   kam   und   ging,   ohne   daß   ein   Brief   Schachs   oder   gar   die   geforderte Verlobungsankündigung  erschienen  wäre  Frau  von  Carayon  hatte  dies  nicht  anders  erwartet  und ihre Vorbereitungen daraufhin getroffen. Am  Donnerstag  früh  hielt  ein  Wagen  vor  ihrem  Hause,  der  sie  nach  Potsdam  hinüberführen sollte, wo sich der König seit einigen Wochen aufhielt. Sie hatte vor, einen Fußfall zu tun, ihm den ihr widerfahrenen Affront vorzustellen und seinen Beistand anzurufen. Daß es in des Königs Macht stehen  werde,  diesen  Beistand  zu  gewähren  und  einen  Ausgleich  herbeizuführen,  war  ihr  außer Zweifel. Auch über die Mittel und Wege, sich Sr. Majestät zu nähern, hatte sie nachgedacht und mit gutem Erfolge. Sie kannte den Generaladjutanten von Köckritz, der vor dreißig Jahren und länger als ein junger Stabskapitän in ihrem elterlichen Hause verkehrt und der »kleinen Josephine«, dem allgemeinen  Verzuge,  manche  Bonbonniere  geschenkt  hatte.  Der  war  jetzt  Liebling  des  Königs, einflußreichste  Person  seiner  nächsten  Umgebung,  und  durch  ihn,  zu  dem  sie  wenigstens  in oberflächlichen  Beziehungen  geblieben  war,  hoffte  sie,  sich  einer  Audienz  versichert  halten  zu dürfen. Um  die  Mittagsstunde  war  Frau  von  Carayon  drüben,  stieg  im  »Einsiedler«  ab,  ordnete  ihre Toilette und begab sich sofort ins Schloß. Aber hier mußte sie von einem zufällig die Freitreppe herabkommenden Kammerherrn in Erfahrung bringen, daß Seine Majestät Potsdam bereits wieder verlassen  und  sich  zur  Begrüßung  Ihrer  Majestät  der  Königin,   die  tags  darauf  aus  Bad  Pyrmont zurückzukehren  gedenke,  nach  Paretz  begeben  habe,  wo  man,  frei  vom  Zwange  des  Hofes,  eine Woche lang in glücklicher Zurückgezogenheit zu verleben gedenke. Das war nun freilich eine böse Nachricht. Wer sich zu einem peinlichen Gange (und wenn es der »hochnotpeinlichste« wäre) anschickt und mit Sehnsucht auf das Schreckensende wartet, für den ist nichts härter als Vertagung. Nur rasch, rasch! Eine kurze Strecke geht es, aber dann versagen die Nerven. Schweren Herzens, und geängstigt durch die Vorstellung, daß ihr dieser Fehlschlag vielleicht ein Fehlschlag überhaupt bedeute, kehrte Frau von Carayon in das Gasthaus  zurück. An eine Fahrt nach Paretz hinaus war für heute nicht mehr zu denken, umso weniger, als zu so später Nachmittagszeit unmöglich noch eine Audienz erbeten werden konnte. So denn also warten bis morgen! Sie nahm ein  kleines  Diner,  setzte  sich  wenigstens  zu  Tisch  und  schien  entschlossen,  die  langen,  langen Stunden in Einsamkeit auf ihrem Zimmer zu verbringen. Aber die Gedanken und Bilder, die vor ihr aufstiegen,   und   vor   allem   die   feierlichen   Ansprachen,   die   sie   sich   zum   hundertsten   Male wiederholte,  so  lange  wiederholte,  bis  sie  zuletzt  fühlte,  sie  werde,  wenn  der  Augenblick  da  sei, kein einziges Wort hervorbringen können, – alles das gab ihr zuletzt den gesunden  Entschluß ein, sich gewaltsam aus ihren Grübeleien herauszureißen und in den Straßen und Umgebungen der Stadt umherzufahren. Ein Lohndiener erschien denn auch, um ihr seine Dienste zur Verfügung zu stellen, und um die sechste Stunde hielt eine mittelelegante Mietschaise vor dem Gasthause, da sich das von Berlin  her  benutzte  Gefährt,  nach  seiner  halbtägigen  Anstrengung  im  Sommersand,  als  durchaus ruhebedürftig herausgestellt hatte. »Wohin befehlen gnädige Frau?« »Ich  überlaß  es  Ihnen.  Nur  keine  Schlösser,  oder  doch  so  wenig  wie  möglich;  aber  Park  und Garten und Wasser und Wiesen.« »Ah, je comprends«, radebrechte der Lohndiener, der sich daran gewöhnt hatte, seine Fremden ein für allemal als Halbfranzosen zu nehmen, oder vielleicht auch dem französischen Namen der Frau von Carayon einige Berücksichtigung schuldig zu sein glaubte. »Je comprends.« Und er gab dem in einem alten Tressenhut auf dem Bock sitzenden Kutscher Order, zunächst in den »Neuen Garten« zu fahren. In dem »Neuen Garten« war es wie tot, und eine dunkle, melancholische Zypressenallee schien gar kein Ende nehmen zu wollen. Endlich lenkte  man nach rechts hin in einen neben einem See 59
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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