Titel:

Der Schach von Wuthenow

Startseite
english
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
|<< Anfang     < Zurück     Index     Weiter >     Ende >>|
  Wir empfehlen:       
 

gehen, dem Alten danken für manches gute Wort aus längst vergangener Zeit her und ihn in seinem Boot über den See hin zurückbegleiten. Unterwegs aber wollt er ihm alles sagen, ihm beichten und seinen Rat erbitten. Er würde schon Antwort wissen. Das Alter sei allemal weise, und wenn nicht von Weisheits-, so doch bloß schon von Alters wegen. »Aber«, unterbrach er sich mitten in diesem Vorsatze, »was soll mir schließlich seine Antwort? hab ich diese Antwort nicht schon vorweg? hab ich sie nicht in mir selbst? Kenn ich nicht die Gebote? Was mir fehlt, ist bloß die Lust, ihnen zu gehorchen.« Und während er so vor sich hinredete, ließ er den Plan eines Zwiegesprächs fallen und stieg den Schloßberg wieder hinauf. Er hatte von dem Gottesdienst in der Kirche nichts abgehandelt, und doch schlug es erst  zehn, als er wieder oben anlangte. – Hier ging er jetzt durch alle Zimmer, einmal, zweimal, und sah sich die Bilder aller der Schachs an, die zerstreut und in Gruppen an den Wänden umherhingen. Alle waren in hohen Stellungen in der Armee gewesen, alle trugen sie den Schwarzen Adler oder den Pour le Mérite. Das hier war der General, der bei Malplaquet die große Redoute nahm, und das hier war   das   Bild   seines   eigenen   Großvaters,   des   Obersten   im   Regiment   Itzenplitz,   der   den Hochkirchner Kirchhof mit vierhundert Mann eine Stunde lang gehalten hatte. Schließlich fiel er, zerhauen  und  zerschossen,  wie  alle  die,  die  mit  ihm  waren.  Und  dazwischen  hingen  die  Frauen, einige schön, am schönsten aber seine Mutter. Als er wieder in dem Gartensalon war, schlug es zwölf. Er warf sich in die Sofaecke, legte die Hand über Aug’ und Stirn’ und zählte die Schläge. »Zwölf. Jetzt bin ich zwölf Stunden hier, und mir  ist,  als  wären  es  zwölf  Jahre  ...  Wie  wird  es  sein?  Alltags  die  Kreepschen,  und  Sonntags Bienengräber oder der Radenslebensche, was keinen Unterschied macht. Einer wie der andere. Gute Leute, versteht sich, alle gut ... Und dann gehe ich mit Victoire durch den Garten, und aus dem Park auf die Wiese, dieselbe Wiese, die wir vom Schloß aus immer und ewig und ewig und immer sehen, und   auf   der   der   Ampfer   und   die   Ranunkeln   blühn.   Und   dazwischen   spazieren   die   Störche. Vielleicht sind wir allein; aber vielleicht läuft auch ein kleiner Dreijähriger neben uns her und singt in einem fort: ›Adebaar, du Bester, bring mir eine Schwester‹. Und meine Schloßherrin errötet und wünscht  sich  das  Schwesterchen  auch.  Und  endlich  sind  elf  Jahre  herum,  und  wir  halten  an  der ›ersten  Station‹,  an  der  ersten  Station,  die  die  ›stroherne  Hochzeit‹  heißt.  Ein  sonderbares  Wort. Und dann ist auch allmählich die Zeit da, sich malen zu lassen, malen zu lassen für die Galerie. Denn  wir  dürfen  doch  am  Ende  nicht  fehlen!  Und  zwischen  die  Generäle  rück  ich  dann  als Rittmeister  ein,  und  zwischen  die  schönen  Frauen  kommt  Victoire.  Vorher  aber  hab  ich  eine Konferenz mit dem Maler und sag ihm: ›Ich rechne darauf, daß Sie den Ausdruck zu treffen wissen. Die Seele macht ähnlich.‹ Oder soll ich ihm geradezu sagen: ›Machen Sie’s gnädig‹ ... Nein, nein!« 55
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
|<< Anfang     < Zurück     Index     Weiter >     Ende >>| 

Zurück zu Themenseiten:
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres/Romane
CopyrightedBy.com/Startseite/Autoren/F/Fontane

Das Setzen von Verweisen (Links) auf diese Seite ist gestattet und bedarf keine vorherige Absprache.
   
  Startseite  |  english  |  Bookmark setzen  |  Webseite weiterempfehlen  |  Impressum