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Der Schach von Wuthenow

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Unter diesen Worten war Schach in Kreepschens gute Stube getreten. Alles darin war sauber und rein,  nur  die  Luft  nicht.  Ein  eigentümlicher  Geruch  herrschte  vor,  der  von  einem  Pfeffer-  und Koriandermixtum  herrührte,  das  die  Kreepschen  als  Mottenvertreibungsmittel  in  die  Sofaecken gesteckt  hatte.  Schach  öffnete  deshalb  das  Fenster,  kettelte  den  Haken  ein  und  war  nun  erst imstande,  sich  all  der  Kleinigkeiten  zu  freu’n,  die die »gute Stube« schmückten. Über dem Sofa hingen zwei kleine Kalenderbildchen, Anekdoten aus dem Leben des Großen Königs darstellend, »Du, du« stand unter dem einen, und »Bon soir, Messieurs« unter dem andern. Um die Bilderchen und  ihre  Goldborte  herum  hingen  zwei  dicke  Immortellenkränze  mit  schwarzen  und  weißen Schleifen  daran,  während  auf  dem  kleinen,  niedrigen  Ofen  eine  Vase  mit  Zittergras  stand.  Das Hauptschmuckstück   aber   war   ein   Schilderhäuschen   mit   rotem   Dach,   in   dem   früher,   aller Wahrscheinlichkeit   nach,   ein   Eichkätzchen   gehaust   und   seinen   Futterwage n   an   der   Kette herangezogen hatte. Jetzt war es leer, und der Wagen hatte stille Tage. Schach war eben mit seiner Musterung fertig, als ihm auch schon gemeldet wurde: »daß drüben alles klar sei.« Und wirklich, als er in den Gartensalon eintrat, der ihm ein Nachtlager so beharrlich verweigert hatte,  war  er  überrascht,  was  Ordnungssinn  und  ein  paar  freundliche  Hände  mittlerweile  daraus gemacht hatten. Tür und Fenster standen auf, die Morgensonne füllte den Raum mit Licht, und aller Staub war von Tisch und Sofa verschwunden. Einen Augenblick später erschien auch schon Krists Frau mit dem Kaffee, die Semmeln in einen Korb gelegt, und als Schach eben den Deckel von der Meißner Kanne heben wollte, klangen vom Dorfe her die Kirchenglocken herauf. »Was ist denn das?« fragte Schach. »Es kann ja kaum sieben sein.« »Justement sieben, junge Herr.« »Aber sonst war es doch erst um elf. Und um zwölfe dann Predigt.« »Joa,  so  wihr  et.  Awers  nu  nich  mihr.  Un  ümmer  den  dritt’n  Sünndag  is  et  anners.  Twee Sünndag’,   wenn   de   Radenslebensche   kümmt,   denn   is’t   um   twölwen,   wiel   he   joa   ihrst   in Radensleben  preestern  deiht,  awers  den  dritten  Sünndag,  wenn  de  oll  Ruppinsche  röwer  kümmt, denn is et all um achten. Un ümmer, wenn uns’ oll Kriwitz von sine Turmluk’ ut unsen Ollschen von dröwen abstötten seiht, denn treckt he joa sien Klock. Und dat ’s ümmer um seb’n.« »Wie heißt denn jetzt der Ruppinsche?« »Na, wie sall he heten? He heet ümmer noch so. Is joa ümmer noch de oll Bienengräber.« »Bei dem bin ich ja eingesegnet. War immer ein sehr guter Mann.« »Joa, dat is he. Man blot, he hett keene Teihn mihr, ook nich een’, un nu brummelt un mummelt he ümmerto, un keen Minsch versteiht em.« »Das  ist  gewiß  nicht  so  schlimm,  Mutter  Kreepschen.  Aber  die  Leute  haben  immer  was auszusetzen. Und nun gar erst die Bauern! Ich will hingehen und mal wieder nachsehen, was mir der alte Bienengräber zu sagen hat, mir und den andern. Hat er denn noch in seiner Stube das große Hufeisen,  dran  ein  Zehnpfundgewicht  hing?  Das  hab  ich  mir  immer  angesehen,  wenn  ich  nicht aufpaßte.« »Dat woahrd he woll noch hebben. De Jungens passen joa all’ nich u pp.« Und  nun  ging  sie,  um  ihren  jungen  Herrn  nicht  länger  zu  stören,  und  versprach,  ihm  ein Gesangbuch zu bringen. Schach  hatte  guten  Appetit  und  ließ  sich  die  Herzberger  Semmeln  schmecken.  Denn  seit  er Berlin verlassen, war noch kein Bissen über seine Lippen gekommen. Endlich aber stand er auf, um in die Gartentür zu treten und sah von hier aus über das Rondell und die Buchsbaumrabatten und weiter   dahinter   auf   die   Baumwipfel   des   Parkes   fort,   bis   sein   Auge   schließlich   auf   einem sonnenbeschienenen Storchenpaar ausruhte, das unten, am Fuße des Hügels, über eine mit Ampfer und Ranunkeln rot und gelb gemusterte Wiese hinschritt. Er verfiel im Anblicke dieses Bildes in allerlei Betrachtungen; aber es läutete gerade zum dritten Male, und so ging er denn ins Dorf hinunter, um, von dem herrschaftlichen Chorstuhl aus, zu hören, »was ihm der alte Bienengräber zu sagen habe.« Bienengräber sprach gut genug, so recht aus dem Herzen und der Erfahrung heraus, und als der letzte Vers gesungen und die Kirche wieder leer war, wollte Schach auch wirklich in die Sakristei 54
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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