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Der Schach von Wuthenow

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aber war er in dem großen und eigentlichen See, durch den der Rhin fließt, und die Stelle, wo der Strom ging, ließ sich an einem Gekräusel der sonst spiegelglatten Fläche deutlich erkennen. In d iese Strömung  bog  er  jetzt  ein,  gab  dem  Boote  die  rechte  Richtung,  legte  sich  und  die  Ruder  ins Binsenstroh und fühlte sofort, wie das Treiben und ein leises Schaukeln begann. Immer blasser wurden die Sterne, der Himmel rötete sich im Osten, und er schlief ein. Als er erwachte, war das mit dem Strom gehende Boot schon weit über die Stelle hinaus, wo der tote Arm des Sees nach Wuthenow hin abbog. Er nahm also die Ruder wieder in die Hand und legte sich mit aller Kraft ein, um aus der Strömung heraus und an die verpaßte Stelle zurückzukommen, und freute sich der Anstrengung, die’s ihn kostete. Der Tag war inzwischen angebrochen. Über dem First des Wuthenower Herrenhauses hing die Sonne, während drüben am andern Ufer die Wolken im Widerschein glühten und die Waldstreifen ihren Schatten in den See warfen. Auf dem See selbst aber begann es sich zu regen, und ein die Morgenbrise benutzender Torfkahn glitt mit ausgespanntem Segel an Schach vorüber. Ein Frösteln überlief diesen. Aber dies Frösteln tat ihm wohl, denn er fühlte deutlich, wie der Druck, der auf ihm lastete, sich dabei minderte. »Nahm er es nicht zu schwer? Was war es denn am Ende? Bosheit und Übelwollen.  Und  wer  kann  sich  dem  entziehen!  Es  kommt  und  geht.  Eine  Woche  noch,  und  die Bosheit  hat  sich  ausgelebt.«  Aber  während  er  so  sich  tröstete,  zogen  auch  wieder  andre  Bilder herauf,  und  er  sah  sich  in  einem  Kutschwagen  bei  den  prinzlichen  Herrschaften  vorfahren,  um ihnen Victoire von Carayon als seine Braut vorzustellen. Und er hörte deutlich, wie die alte Prinzeß Ferdinand ihrer Tochter, der schönen Radziwill, zuflüsterte: »Est elle rich?« »Sans doute.« »Ah, je comprends.« Unter  so  wechselnden  Bildern  und  Betrachtungen  bog  er  wieder  in  die  kurz  vorher  so  stille Bucht ein, in deren Schilf jetzt ein buntes und bewegtes Leben herrschte. Die darin nistenden Vögel kreischten oder gurrten, ein paar Kiebitze flogen auf, und eine Wildente, die sich neugierig umsah, tauchte nieder, als das Boot plötzlich in Sicht kam. Eine Minute später, und Schach hielt wieder am Steg, schlang die Kette fest um den Pflock und stieg unter Vermeidung jedes Umwegs die Terrasse hinauf,  auf  deren  oberstem  Absatz  er  Krists  Frau,  der  alten  Mutter  Kreepschen,  begegnete,  die schon auf war, um ihrer Ziege das erste Grünfutter zu bringen. »Tag, Mutter Kreepschen.« Die   Alte   schrak   zusammen,   ihren   drinnen   im   Gartensalon   vermuteten   jungen   Herrn   (um dessentwillen sie die Hühner nicht aus dem Stall gelassen hatte, bloß damit ihr Gackern ihn nicht im Schlafe stören sollte) jetzt von der Frontseite des Schlosses her a uf sich zukommen zu sehen. »Jott, junge Herr. Wo kümmen’s denn her?« »Ich konnte nicht schlafen, Mutter Kreepschen.« »Wat wihr denn los? Hätt et wedder spökt?« »Beinah.  Mücken  und  Motten  waren’s.  Ich  hatte  das  Licht  brennen   lassen.  Und  der  eine Fensterflügel war auf.« »Awers worümm hebbens denn dat Licht nich utpuust? Dat weet doch jedeen, wo Licht is, doa sinn ook ümmer Gnitzen un Motten. Ick weet nich! Und mien oll Kreepsch, he woahrd ook ümmer dümmscher. Jei, jei. Un nich en Oog to.« »Doch, Mutter Kreepschen. Ich habe geschlafen, im Boot, und ganz gut und ganz fest. Aber jetzt frier ich. Und wenn’s Feuer brennt, dann bringt Ihr mir wohl was Warmes. Nicht wahr? ‘ne Suppe oder ‘nen Kaffee.« »Jott, et brennt joa all lang, junge Herr; Füer is ümmer dat ihrst. Versteiht sich, versteiht sich, wat Warm’s. Un ick bring’ et ook glieks; man blot de oll Zick, de geiht för. Se jloben joar nich, junge Herr, wie schabernacksch so’n oll Zick is. De weet, as ob se ‘ne Uhr in’n Kopp hätt, ob et feif is o’r söss. Un wenn’t söss is, denn wohrd se falsch. Un kumm ick denn un will ehr melken, joa, wat jloben se woll, wat se denn deiht? Denn stött se mi. Un ümmer hier in’t Krüz, dicht bi de Hüft’. Un worümm? Wiel se weet, dat ick doa miene Wehdag hebben deih. Awers nu kummen’s man ihrst in  uns’  Stuw,  un  setten  sich  en  beten  dahl.  Mien  oll  Kreepsch  is  joa  nu  groad  bie’t  Pierd  und schütt’t em wat in. Awers keen Viertelstunn mihr, junge Herr, denn hebben’s ehren Koffe. Un ook wat dato. De oll Semmelfru von Herzberg wihr joa all hier.« 53
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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