Titel:

Der Schach von Wuthenow

Startseite
english
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
|<< Anfang     < Zurück     Index     Weiter >     Ende >>|
  Wir empfehlen:       
 

Er  raffte  nun  die  Decke  zusammen  und  schlug  mehrmals  durch  die  Luft,  um  die  Störenfriede wieder hinauszujagen. Aber das unter diesem Jagen und Schlagen immer nur ängstlicher werdende Geziefer schien sich zu verdoppeln und summte nur dichter und lauter als vorher um ihn herum. An Schlaf war nicht mehr zu denken, und so trat er denn ans offene Fenster und sprang hinaus, um, draußen umhergehend, den Morgen abzuwarten. Er sah nach der Uhr. Halb zwei. Die dicht vor dem Salon gelegene Gartenanlage bestand aus einem   Rondell   mit   Sonnenuhr,   um   das   herum,   in   meist   dreieckigen   und   von   Buchsbaum eingefaßten  Beeten,  allerlei  Sommerblumen  blühten:  Reseda  und  Rittersporn  und  Lilien  und Levkojen. Man sah leicht, daß eine ordnende Hand hier neuerdings gefehlt hatte, trotzdem Krist zu seinen  vielfachen  Ämtern  auch  das  eines  Gärtners  zählte;  die  Zeit  indes,  die  seit  dem  Tode  der Gnädigen  vergangen  war,  war  andrerseits  eine  viel  zu  kurze  noch,  um  schon  zu  vollständiger Verwilderung  geführt  zu  haben.  Alles  hatte  nur  erst  den  Charakter  eines  wuchernden  Blühens angenommen, und ein schwerer und doch zugleich auch erquicklicher Levkojenduft lag über den Beeten, den Schach in immer volleren Zügen einsog. Er umschritt das Rondell, einmal, zehnmal und balancierte, während er einen Fuß vor den andern setzte, zwischen den nur handbreiten Stegen hin. Er wollte dabei seine G eschicklichkeit proben und die Zeit mit guter Manier hinter sich bringen. Aber diese Zeit wollte nicht schwinden, und als er wieder nach der Uhr sah, war erst eine Viertelstunde vergangen. Er gab nun die Blumen auf und schritt auf einen der beiden Laubengänge zu, die den großen Parkgarten flankierten und von der Höhe bis fast an den Fuß des Schloßhügels herniederstiegen.  An mancher Stelle waren die Gänge noch obenhin überwachsen, an andern aber offen, und es unterhielt ihn   eine   Weile,   den   abwechselnd   zwischen   Dunkel  und  Licht  liegenden  Raum  in  Schritten auszumessen.  Ein  paarmal  erweiterte  sich  der Gang zu Nischen und Tempelrundungen, in denen allerhand Sandsteinfiguren standen: Götter und Göttinnen, an denen er früher viele hundert Male vorübergegangen war, ohne sich auch nur im geringsten um sie zu kümmern oder ihrer Bedeutung nachzuforschen; heut aber blieb er stehen und freute sich besonders aller derer, denen die Köpfe fehlten,  weil  sie  die  dunkelsten  und  unverständlichsten  waren  und  sic h  am schwersten  erraten ließen. Endlich war er den Laubengang hinunter, stieg ihn wieder hinauf und wieder hinunter und stand nun am Dorfausgang und hörte, daß es zwei schlug. Oder bedeuteten die beiden Schläge halb, war es halb drei? Nein, es war erst zwei. Er  gab  es  auf,  das  Auf  und  Nieder  seiner  Promenade  noch  weiter  fortzusetzen  und  beschrieb lieber einen Halbkreis um den Fuß des Schloßhügels herum, bis er in Front des Schlosses selber war.   Und   nun   sah   er   hinauf   und   sah   die   große   Terrasse,   die,   von   Orangeriekübeln   und Zypressenpyramiden eingefaßt, bis dicht an den  See hinunterführte. Nur ein schmal Stück Wiese lag noch dazwischen, und auf ebendieser Wiese stand eine uralte Eiche, deren Schatten Schach jetzt umschritt,  einmal,  vielemal,  als  würd  er  in  ihrem  Bann  gehalten.  Es  war  ersichtlich,  daß  ihn  der Kreis, in dem er ging, an einen andern Kreis gemahnte, denn er murmelte vor sich hin: könnt ich heraus! Das Wasser, das hier so verhältnismäßig nah an die Schloßterrasse herantrat, war ein bloßer toter Arm des Sees, nicht der See selbst. Auf diesen See hinauszufahren aber war in seinen Knabenjahren immer seine höchste Wonne gewesen. »Ist ein Boot da, so fahr ich.« Und er schritt auf den Schilfgürtel zu, der die tief einmündende Bucht  von  drei  Seiten  her  einfaßte.  Nirgends  schien  ein  Zugang.  Schließlich  indes  fand  er  einen überwachsenen Steg, an dessen Ende das große Sommerboot lag, das seine Mama viele Jahre lang benutzt  hatte,  wenn  sie  nach  Karwe  hinüberfuhr,  um  den  Knesebecks  einen  Besuch  zu  machen. Auch Ruder und Stangen fanden sich, während der  flache Boden des Boots, um einen trockenen Fuß zu haben, mit hochaufgeschüttetem Binsenstroh überdeckt war. Schach sprang hinein, löste die Kett  vom  Pflock  und  stieß  ab.  Irgendwelche  Ruderkünste  zu  zeigen,  war  ihm  vorderhand  noch unmöglich,  denn  das  Wasser  war  so  seicht  und  schmal,  daß  er  bei  jedem  Schlage  das  Schilf getroffen haben würde. Bald aber verbreiterte sich’s, und er konnte nun die Ruder einlegen. Eine tiefe Stille herrschte; der Tag war noch nicht wach, und Schach hörte nichts als ein leises Wehen und Rauschen, und den Ton des Wassers, das sich glucksend an dem Schilfgürtel brach. Endlich 52
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
|<< Anfang     < Zurück     Index     Weiter >     Ende >>| 

Zurück zu Themenseiten:
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres/Romane
CopyrightedBy.com/Startseite/Autoren/F/Fontane

Das Setzen von Verweisen (Links) auf diese Seite ist gestattet und bedarf keine vorherige Absprache.
   
  Startseite  |  english  |  Bookmark setzen  |  Webseite weiterempfehlen  |  Impressum