Titel:

Der Schach von Wuthenow

Startseite
english
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
|<< Anfang     < Zurück     Index     Weiter >     Ende >>|
  Wir empfehlen:       
 

Krist tat, wie sein junger Herr ihn geheißen, und beide gingen nun einen mit Fliesen bedeckten, schmalen Korridor entlang. Erst in der Mitte verbreiterte sich dieser und bildete nach links hin eine geräumige  Treppenhalle,  während  nach  rechts  hin  eine  mit  Goldleisten  und  Rokokoverzierungen reich ausgelegte Doppeltür in einen Gartensalon führte, der als Wohn- und Empfangszimmer der verstorbenen  Frau  Generalin  von  Schach,  einer  sehr  vornehmen  und  sehr  stolzen  alten  Dame, gedient   hatte.   Hierher   richteten   sich   denn   auch   die   Schritte   beider,   und    als   Krist   die   halb verquollene Tür nicht ohne Müh’ und Anstrengung geöffnet hat te, trat man ein. Unter   dem   Vielen,   was   an   Kunst-   und   Erinnerungsgegenständen   in   diesem   Gartensalon umherstand, war auch ein bronzener Doppelleuchter, den Schach selber, vor drei Jahren erst, von seiner italienischen Reise mit nach Hause gebracht und seiner Mutter verehrt hatte. Diesen Leuchter nahm jetzt Krist vom Kamin und zündete die beiden Wachslichter an, die seit lange schon in den Leuchtertellern steckten und ihrerzeit der verstorbenen Gnädigen zum Siegeln ihrer Briefe gedient hatten. Die Gnädige selbst aber war erst seit einem Jahre tot, und da Schach von jener Zeit an nicht wieder  hier  gewesen  war,  so  hatte  noch  alles  den  alten  Platz.  Ein  paar  kleine  Sofas  standen  wie früher an den Schmalseiten einander gegenüber, während zwei größere die Mitte  der Längswand einnahmen  und  nichts  als  die  vergoldete  Rokokodoppeltür zwischen sich hatten. Auch der runde Rosenholztisch   (ein   Stolz   der   Generalin)   und   die   große   Marmorschale,   darin   alabasterne Weintrauben und Orangen und ein Pinienapfel lagen, standen unverändert an ihrem Platz. In dem ganzen Zimmer aber, das seit lange nicht gelüftet war, war eine stickige Schwü le. »Mach ein Fenster auf«, sagte Schach. »Und dann gib mir eine Decke. Die da.« »Wullen’s sich denn hier hen leggen, junge Herr?« »Ja, Krist. Ich habe schon schlechter gelegen.« »Ick  weet.  Jott,  wenn  de  oll  jnädge  Herr  uns  doavunn  vertellen  deih!  Ümmer  so  platsch  in’n Kalkmodder  ‘rin.  Nei,  nei,  dat  wihr  nix  för  mi.  ›Jott,  jnädge  Herr‹,  seggt  ick  denn  ümmer,  ›ick gloob de Huut geit em runner.‹ Awers denn lachte joa de oll jnädge Herr ümmer un seggte: ›Nei, Krist, uns’ Huut sitt fast.‹« Während der Alte noch so sprach und vergangener Zeiten gedachte, griff er zugleich doch nach einem  breiten,  aus  Rohr  geflochtenen  Ausklopfer,  der  in  einer  Kaminecke  stand,  und  versuchte damit,  das  eine  Sofa,  das  sich  Schach  als  Lagerstätte  ausgewählt  hatte,  wenigstens  aus  dem Gröbsten herauszubringen. Aber der dichte Staub, der aufstieg, zeigte nur das Vergebliche solcher Bemühungen,  und  Schach  sagte  mit  einem  Anfluge  von  guter  Laune:  »Störe  den  Staub  nicht  in seinem  Frieden.«  Und  erst  als  er’s  gesprochen  hatte,  fiel  ihm  der  Doppelsinn  darin  auf,  und  er gedachte   der   Eltern,   die   drunten   in   der   Dorfkirche   in   großen   Kupfersärgen   und   mit   einem aufgelöteten Kruzifix darauf in der alten Gruft der Familie standen. Aber er hing dem Bilde nicht weiter nach und warf sich aufs Sofa. »Meinem Schimmel gib ein Stück  Brot  und  einen  Eimer  Wasser;  dann  hält  er  aus  bis  morgen.  Und  nun  stelle  das  Licht  ans Fenster und laß es brennen ... Nein, nicht da, nicht ans offene; an das daneben. Und nun gute Nacht, Krist. Und schließe von außen zu, daß sie mich nicht wegtragen.« »Ih, se wihren doch nich ...« Und Schach hörte bald danach die Pantinen, wie sie den Korridor hinunterklappten. Ehe Krist aber die Giebeltür noch erreicht und von außen her zugeschlossen haben konnte, legte sich’s schwer und bleiern auf seines Herrn überreiztes Gehirn. Freilich nicht auf lange. Aller auf ihm lastenden Schwere zum Trotz, empfand er deutlich, daß etwas über ihn hinsummte, ihn streife und kitzle, und als ein Sichdrehen und Wenden und selbst ein unwillkürliches und halbverschlafenes Umherschlagen mit der Hand nichts helfen wollte, riß er sich endlich  auf  und  zwang  sich  ins  Wachen  zurück.  Und  nun  sah  er,  was  es  war.  Die  beiden  eben verschwelenden  Lichter,  die  mit  ihrem  Qualme  die  schon  stickige  Luft  noch  stickiger  gemacht hatten,  hatten  allerlei  Getier  vom  Garten  her  in  das  Zimmer  gelockt,  und  nur  über  Art  und Beschaffenheit desselben war noch ein Zweifel. Einen Augenblick dachte er an Fledermäuse; sehr bald aber mußte er sich überzeugen, daß es einfach riesige Motten und Nachtschmetterlinge waren, die zu ganzen Dutzenden in dem Saale hin- und herflogen, an die Scheiben stießen und vergeblich das offene Fenster wieder zu finden suchten. 51
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
|<< Anfang     < Zurück     Index     Weiter >     Ende >>| 

Zurück zu Themenseiten:
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres/Romane
CopyrightedBy.com/Startseite/Autoren/F/Fontane

Das Setzen von Verweisen (Links) auf diese Seite ist gestattet und bedarf keine vorherige Absprache.
   
  Startseite  |  english  |  Bookmark setzen  |  Webseite weiterempfehlen  |  Impressum