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Der Schach von Wuthenow

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14. In Wuthenow am See Es schlug Mitternacht, als Schach in Wuthenow eintraf, an dessen entgegengesetzter Seite das auf  einem  Hügel  erbaute,  den  Ruppiner  See  nach  rechts  und  links  hin  überblickende  Schloß Wuthenow  lag.  In  den  Häusern  und  Hütten  war  alles  längst  in  tiefem  Schlaf,  und  nur  aus  den Ställen her hörte man noch das Stampfen eines Pferdes oder das halblaute Brüllen einer Kuh. Schach passierte das Dorf und bog am Ausgang in einen schmalen Feldweg ein, der, allmählich ansteigend, auf den Schloßhügel hinauf führte. Rechts lagen die Bäume des Außenparks, links eine gemähte Wiese, deren Heugeruch die Luft erfüllte. Das Schloß selbst aber war nichts als ein alter, weißgetünchter und von einer schwarzgeteerten Balkenlage durchzogener Fachwerkbau, dem erst Schachs  Mutter,  die  »verstorbene  Gnädige«,  durch  ein  Doppeldach,  einen  Blitzableiter  und  eine prächtige,  nach  dem  Muster  von  Sanssouci  hergerichtete  Terrasse  das  Ansehen  allernüchternster Tagtäglichkeit genommen hatte. Jetzt freilich, unter dem Sternenschein, lag alles da wie das Schloß im  Märchen,  und  Schach  hielt  öfters  an  und  sah  hinauf,  augenscheinlich  betroffen  von  der Schönheit des Bildes. Endlich war er oben und ritt auf das Einfahrtstor zu, das sich in einem flachen Bogen zwischen dem  Giebel  des  Schlosses  und  einem  danebenstehenden  Gesindehause  wölbte.  Vom  Hof  her vernahm  er  im  selben  Augenblick  ein  Bellen  und  Knurren  und  hörte,  wie  der  Hund  wütend  aus seiner   Hütte   fuhr   und   mit   seiner   Kette   nach   rechts   und   links   hin   an   der   Holzwandung umherschrammte. »Kusch  dich,  Hektor.«  Und  das  Tier,  die  Stimme  seines  Herrn  erkennend,  begann  jetzt  vor Freude   zu   heulen   und   zu   winseln   und   abwechselnd   auf   die   Hütte   hinauf-   und   wieder hinunterzuspringen. Vor dem Gesindehause stand ein Walnußbaum mit weitem Gezweige. Schach stieg ab, schlang den Zügel um den Ast und klopfte halblaut an einen der Fensterläden. Aber erst als er das zweite Mal  gepocht  hatte,  wurd  es  lebendig  drinnen,  und  er  hörte  von  dem  Alkoven  her  eine  halb verschlafene Stimme: »Wat is?« »Ich, Krist.« »Jott, Mutter, dat’s joa de junge Herr.« »Joa, dat is hei. Steih man upp un mach flink.« Schach hörte jedes Wort und rief gutmütig in die Stube hinein, während er den nur angelegten Laden halb öffnete: »Laß dir Zeit, Alter.« Aber der Alte war schon aus dem Bette heraus und sagte nur immer, während er hin und her suchte: »Glieks, junger Herr, glieks. Man noch en beten.« Und  wirklich  nicht  lange,  so  sah  Schach  einen  Schwefelfaden  brennen  und  hörte,  daß  eine Laternentür aufund wieder zugeknipst wurde. Richtig, ein erster Lichtschein blitzte jetzt durch die Scheiben, und ein paar Holzpantinen klappten über den Lehmflur hin. Und nun wurde der Riegel zurückgeschoben, und Krist, der in aller Eile nichts als ein leinenes Beinkleid übergezogen hatte, stand vor seinem jungen Herrn. Er hatte, vor manchem Jahr und Tag, als der alte »Gnädge-Herr« gestorben war, den durch diesen Todesfall erledigten Ehren- und Respektstitel auf seinen jungen Herrn übertragen wollen, aber dieser, der mit Krist das erste Wasserhuhn geschossen und die erste Bootfahrt über den Sec gemacht hatte, hatte von dem neuen Titel nichts wissen wollen. »Jott,  junge  Herr,  sunst  schrewens  doch  ümmer  ihrst,  o’r  schicken  uns  Baarschen  o’r  den kleenen inglischen Kierl. Un nu keen Wort nich. Awers ick wußt’ et joa, as de Poggen hüt Oabend mit ehr Gequoak nich to Enn’ koam’ künn’n. ›Jei, jei, Mutter‹, seggt ick, ›dat bedüt’ wat.‹ Awers as de Fruenslüd’ sinn! Wat seggt se? ›Wat sall et bedüden?‹ seggt se, ›Regen bedüt et. Un dat’s man gaud. Denn uns’ Tüffeln bruken’t.‹« »Ja, ja«, sagte Schach, der nur mit halbem Ohr hingehört hatte, während der Alte die kleine Tür aufschloß,  die  von  der  Giebelseite  her  ins  Schloß  führte.  »Ja,  ja.  Regen  ist  gut.  Aber  geh  nur vorauf.« 50
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Mit Vertrag über die abschließen...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsges...
Wettbewerbsrecht, Markenrecht und Kartellrecht
 
   
 
     
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