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Der Schach von Wuthenow

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2. »Die Weihe der Kraft« Bülow,  dessen  Züge  den  Ausdruck  einer  äußersten  Überheblichkeit  anzunehmen  begannen, wollte replizieren, aber Frau von Carayon unterbrach und sagte: »Lernen wir etwas aus der Politik unserer Tage: wo nicht Friede sein kann, da sei wenigstens Waffenstillstand. Auch hier ... Und nun raten Sie, lieber Alvensleben, wer heute hier war, uns seinen Besuch zu machen? Eine Berühmtheit. Und von der Rahel Lewin uns zugewiesen.« »Also der Prinz«, sagte Alvensleben. »O   nein,   berühmter   oder   doch   wenigstens   tagesberühmter.   Der   Prinz   ist   eine   etablierte Zelebrität,  und  Zelebritäten,  die  zehn  Jahre  gedauert  haben,  sind  keine  mehr  ...  Ich  will  Ihnen übrigens zu Hilfe kommen, es geht ins Literarische hinüber, und so möcht ich denn auch annehmen, daß uns Herr Sander das Rätsel lösen wird.« »Ich  will  es  wenigstens  versuchen,  gnädigste  Frau,  wobei  mir  Ihr  Zutrauen  vielleicht  eine gewisse Weihekraft, oder sagen wir’s lieber rund heraus, eine gewisse ›Weihe der Kraft‹ verleihen wird.« »Oh, vorzüglich. Ja, Zacharias Werner war hier. Leider waren wir aus, und so sind wir denn um den uns zugedachten Besuch gekommen. Ich hab es sehr bedauert.« »Sie  sollten  sich  umgekehrt  beglückwünschen,  einer  Enttäuschung  entgangen  zu  sein«,  nahm Bülow das Wort. »Es ist selten, daß die Dichter der Vorstellung entsprechen, die wir uns von ihnen machen. Wir erwarten einen Olympier, einen Nektar- und Ambrosiamann, und sehen statt dessen einen  Gourmand  einen  Putenbraten  verzehren;  wir  erwarten  Mitteilungen  aus  seiner  geheimsten Zwiesprach mit den Göttern und hören ihn von seinem letzten Orden erzählen oder wohl gar die allergnädigsten Worte zitieren, die Serenissimus über das jüngste Kind seiner Muse geäußert hat. Vielleicht auch Serenissima, was immer das denkbar Albernste bedeutet.« »Aber doch schließlich nichts Alberneres als das Urteil solcher, die den Vorzug haben, in einem Stall oder einer Scheune geboren zu sein«, sagte Schach spitz. »Ich muß Ihnen zu meinem Bedauern, mein sehr verehrter Herr von Schach, auch auf diesem Gebiete   widersprechen.   Der   Unterschied,   den   Sie   bezweifeln,   ist   wenigstens   nach   meinen Erfahrungen  tatsächlich  vorhanden,  und  zwar,  wie  Sie  mir  zu  wiederholen  gestatten  wollen,  zu Nichtgunsten von Serenissimus. In der Welt der kleinen Leute steht das Urteil an und für sich nicht höher,  aber  die  verlegene  Bescheidenheit,  darin  sich’s  kleidet,  und  das  stotternde  Schlechte- Gewissen, womit es zutage tritt, haben allemal etwas Versöhnendes. Und nun spricht der Fürst! Er ist der Gesetzgeber seines Landes in all und jedem, in großem und kleinem, also natürlich auch in Aestheticis.  Wer  über  Leben  und  Tod  entscheidet,  sollte  der  nicht  auch  über  ein  G edichtchen entscheiden können? Ah, bah! Er mag sprechen, was er will, es sind immer Tafeln direkt vom Sinai. Ich  habe  solche  zehn  Gebote  mehr  als  einmal  verkünden  hören  und  weiß  seitdem,  was  es  heißt: regarder dans le Néant.« »Und doch stimm ich der Mama bei«, bemerkte Victoire, der daran lag, das Gespräch auf seinen Anfang, auf das Stück und seinen Dichter also, zurückzuführen. »Es wäre mir wirklich eine Freude gewesen, den ›tagesberühmten Herrn‹, wie Mama ihn einschränkend genannt hat, kennenzulernen. Sie  vergessen,  Herr  von  Bülow,  daß  wir  Frauen  sind,  und  daß  wir   als  solche  ein  Recht  haben, neugierig  zu  sein.  An  einer  Berühmtheit  wenig  Gefallen  zu  finden,  ist  schließlich  immer  noch besser, als sie gar nicht gesehen zu haben.« »Und wir werden ihn in der Tat nicht mehr sehen, in aller Bestimmtheit nicht«, fügte Frau von Carayon hinzu. »Er verläßt Berlin in den nächsten Tagen schon und war überhaupt nur hier, um den ersten Proben seines Stückes beizuwohnen.« »Was  also  heißt«,  warf  Alvensleben  ein,  »daß  an  der  Aufführung  selbst  nicht  länger  mehr  zu zweifeln ist.« »Ich  glaube,  nein.  Man  hat  den  Hof  dafür  zu  gewinnen  oder  wenigstens  alle  beigebrachten Bedenken niederzuschlagen gewußt.« 5
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Mit Vertrag über die abschließen...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsges...
Wettbewerbsrecht, Markenrecht und Kartellrecht
 
   
 
     
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