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Der Schach von Wuthenow

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12. Schach bei Frau von Carayon Am andern Vormittage saß Frau von Carayon am Bette der Tochter und sagte, während diese zärtlich  und  mit  einem  wiedergewonnenen  ruhig-glücklichen  Ausdruck  zu  der  Mutter  aufblickte : »Habe Vertrauen, Kind. Ich kenn ihn so lange Zeit. Er ist schwach und  eitel nach Art aller schönen Männer, aber von einem nicht gewöhnlichen Rechtsgefühl und einer untadligen Gesinnung.«   In  diesem  Augenblick  wurde  Rittmeister  von  Schach  gemeldet,  und  der  alte  Jannasch  setzte hinzu, »daß er ihn in den Salon geführt habe.« Frau von Carayon nickte zustimmend. »Ich wußte, daß er kommen würde«, sagte Victoire. »Weil du’s geträumt?« »Nein, nicht geträumt; ich beobachte nur und rechne. Seit einiger Zeit weiß ich im voraus, an welchem  Tag  und  bei  welcher  Gelegenheit  er  erscheinen  wird.  Er  kommt  immer,  wenn  etwas geschehen  ist  oder  eine  Neuigkeit  vorliegt,  über  die  sich  bequem  sprechen  läßt.  Er  geht  einer intimen Unterhaltung mit mir aus dem Wege. So kam er nach der Aufführung des Stücks, und heute kommt er nach der Aufführung der Schlittenfahrt. Ich bin doch begierig, ob er mit dabei war. War er’s, so sag ihm, wie sehr es mich verletzt hat. Oder sag es lieber nicht.« Frau von Carayon war bewegt. »Ach, meine süße Victoire, du bist gut, viel zu gut. Er verdient es nicht; keiner.« Und sie streichelte die Tochter  und ging über den Korridor fort in den Salon, wo Schach ihrer wartete. Dieser schien weniger befangen als sonst und verbeugte sich, ihr die Hand zu küssen, was sie freundlich geschehen ließ. Und doch war ihr Benehmen verändert. Sie wies mit einem Zeremoniell, das  ihr  sonst  fremd  war,  auf  einen  der  zur  Seite  stehenden  japanischen  Stühle,  schob  sich  ein Fußkissen heran und nahm ihrerseits auf dem Sofa Platz. »Ich komme, nach dem Befinden der Damen zu fragen und zugleich in Erfahrung zu bringen, ob die gestrige Maskerade Gnade vor ihren Augen gefunden hat oder nicht.«   »Offen gestanden, nein. Ich, für meine Person, fand es wenig passend, und Victoire fühlte sich beinahe widerwärtig davon berührt.« »Ein Gefühl, das ich teile.« »So waren Sie nicht mit von der Partie?« »Sicherlich  nicht.  Und  es  überrascht  mich,  es  noch  erst  versichern  zu  müssen.  Sie  kennen  ja meine Stellung zu dieser Frage, meine teure Josephine, kennen sie seit jenem Abend, wo wir zuerst über  das  Stück  und  seinen  Verfasser  sprachen.  Was  ich  damals  äußerte,  gilt  ebenso  noch  heut. Ernste  Dinge  fordern  auch  eine  ernste  Behandlung,  und  es  freut  mich  aufrichtig,  Victoiren  auf meiner Seite zu sehen. Ist sie zu Haus?« »Zu Bett.« »Ich hoffe nichts Ernstliches.« »Ja und nein. Die Nachwirkungen eines Brust- und Weinkrampfes, von dem sie gestern abend befallen wurde.« »Mutmaßlich infolge dieser Maskeradentollheit. Ich beklag es von ganzem Herzen.« »Und   doch   bin   ich   ebendieser   Tollheit   zu   Danke   verpflichtet.   In   dem   Degoût   über   die Mummerei, deren Zeuge sie sein mußte, löste sich ihr die Zunge; sie brach ihr langes Schweigen und vertraute mir ihr Geheimnis an, ein Geheimnis, das Sie kennen.« Schach, der sich doppelt schuldig fühlte, war wie mit Blut übergossen. »Lieber Schach«, fuhr Frau von Carayon fort, während sie jetzt seine Hand nahm und ihn aus ihren klugen Augen freundlich, aber fest ansah: »lieber Schach, ich bin nicht albern genug, Ihnen eine Szene zu machen oder gar eine Sittenpredigt zu halten; zu den Dingen, die mir am meisten verhaßt sind, gehört auch Tugendschwätzerei. Ich habe von Jugend auf in der Welt gelebt, kenne die Welt und habe manches an meinem eignen Herzen erfahren. Und wär ich heuchlerisch genug, es vor mir und andern verbergen zu wollen, wie könnt ich es vor Ihnen?« 43
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Mit Vertrag über die abschließen...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsges...
Wettbewerbsrecht, Markenrecht und Kartellrecht
 
   
 
     
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