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Der Schach von Wuthenow

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»Ja, ja. Es muß etwas geschehen.« »Und  neu  geweiht  durch  die  ›Weihe  der  Kraft‹,  haben  wir,  dem  alten  Luther  und  uns  selber zuliebe, beschlossen, einen Aufzug zu bewerkstelligen, von dem die spätesten Geschlechter noch melden sollen. Es muß etwas Großes werden! Erinnern wir uns, wer nicht vorschreitet,  der schreitet zurück. Ein Aufzug also. So viel steht fest. Aber Wesen und Charakter dieses Aufzuges bleibt noch zu fixieren, und zu diesem Behufe haben wir uns hier versammelt. Ich bin bereit, Ihre Vorschläge der Reihe nach entgegenzunehmen. Wer Vorschläge zu machen hat, melde sich.« Unter denen, die sich meldeten, war auch Leutnant von Zieten. »Ich gebe dem Leutnant von Zieten das Wort.« Dieser  erhob  sich  und  sagte,  während  er  sich  leicht  auf  der  Stullehne  wiegte:  »Was  ich vorzuschlagen habe, heißt Schlittenfahrt.« Alle sahen einander an, einige lachten. »Im Juli?« »Im Juli«, wiederholte Zieten. »Unter den Linden wird Salz gestreut, und über diesen Schnee hin geht unsre Fahrt. Erst ein paar aufgelöste Nonnen; in dem großen Hauptschlitten aber, der die Mitte des Zuges bildet, paradieren Luther und sein Famulus, jeder mit einer Flöte, während Katharinchen auf einer Pritsche reitet. Ad libitum mit Fackel oder Schlittenpeitsche. Vorreiter eröffnen den Zug. Kostüme werden dem Theater entnommen oder angefertigt. Ich habe gesprochen.« Ein  ungeheurer  Lärm  antwortete,  bis  der  Ruhe  gebietende  Nostitz  endlich  durchdrang.  »Ich nehme  diesen  Lärm  einfach  als  Zustimmung  und  beglückwünsche  Kamerad  Zieten,  mit  einem einzigen  und  ersten  Meisterschuß  gleich  ins  Schwarze  getroffen  zu  haben.  Also  Schlittenfahrt. Angenommen?« »Ja, ja.« »So bleibt nur noch Rollenverteilung. Wer gibt den Luther?« »Schach.« »Er wird ablehnen.« »Nicht  doch«,  krähte  Zieten,  der  gegen  den  schönen,  ihm  bei  mehr  als  einer  Gelegenheit vorgezogenen Schach eine Spezialmalice hegte: »wie kann man Schach so verkennen! Ich kenn ihn besser. Er wird es freilich eine halbe Stunde lang beklagen, sich hohe Backenknochen auflegen und sein Normal-Oval in eine bäuerische tête carrée verwandeln zu müssen. Aber schließlich wird er Eitelkeit gegen Eitelkeit setzen und seinen Lohn darin finden, auf vierundzwanzig Stunden der Held des Tages zu sein.« Ehe Zieten noch ausgesprochen hatte, war von der Wache her ein Gefreiter eingetreten, um ein an Nostitz adressiertes Schreiben abzugeben. »Ah, lupus in fabula.« »Von Schach?« »Ja!« »Lesen, lesen!« Und  Nostitz  erbrach  den  Brief  und  las.  »Ich  bitte  Sie,  lieber  Nostitz,  bei  der  mutmaßlich  in ebendiesem Augenblicke stattfindenden Versammlung unserer jungen Offiziere meinen Vermittler und, wenn nötig, auch meinen Anwalt machen zu wollen. Ich habe das Zirkular erhalten, und war anfänglich  gewillt  zu  kommen.  Inzwischen  aber  ist  mir  mitgeteilt  worden,  um  was  es  sich  aller Wahrscheinlichkeit nach handeln wird, und diese Mitteilung hat meinen Entschluß geändert. Es ist Ihnen kein Geheimnis, daß all das, was man vorhat, meinem Gefühl widerstreitet, und so werden Sie  sich  mit  Leichtigkeit  herausrechnen  können,  wie  viel  oder  wie  wenig  ich  (dem  schon  ein Bühnen-Luther  contre  cœur  war)  für  einen  Mummenschanz-Luther  übrig  habe.  Daß  wir  diesen Mummenschanz in eine Zeit verlegen, die nicht einmal eine Fastnachtsfreiheit in Anspruch nehmen darf, bessert sicherlich nichts. Jüngeren Kameraden soll aber durch diese meine Stellung zur Sache kein Zwang auferlegt werden, und jedenfalls darf man sich meiner Diskretion versichert halten. Ich bin nicht das Gewissen des Regiments, noch weniger sein Aufpasser. Ihr Schach.« »Ich  wußte  es«,  sagte  Nostitz  in  aller  Ruhe,  während  er  das  Schachsche  Billet  an  dem  ihm zunächst stehenden Lichte verbrannte. »Kamerad Zieten ist größer in Vorschlägen und Phantastik, 39
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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