Title:

Der Schach von Wuthenow

Home
deutsch
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>|
  Wir empfehlen:       
 

10. »Es muß etwas geschehen« Die »Weihe der Kraft« wurde nach wie vor gegeben, und Berlin hörte nicht auf, in zwei Lager geteilt zu sein. Alles, was mystisch-romantisch war, war für, alles, was freisinnig war, gegen das Stück. Selbst im Hause Carayon setzte sich diese Fehde fort, und während die Mama teils um des Hofes, teils um ihrer eignen »Gefühle« willen überschwänglich mitschwärmte, fühlte sich Victoire von  diesen  Sentimentalitäten  abgestoßen.  Sie  fand  alles  unwahr  und  unecht  und  versi cherte,  daß Schach in jedem seiner Worte recht gehabt habe. Dieser kam jetzt von Zeit zu Zeit, aber doch immer nur wenn er sicher sein durfte, Victoiren in Gesellschaft der Mutter zu treffen. Er bewegte sich wieder viel in den »großen Häusern« und legte, wie  Nostitz  spottete,  den  Radziwills  und  Carolaths  zu,  was  er  den  Carayo ns  entzog.  Auch Alvensleben  scherzte  darüber,  und  selbst  Victoire  versuchte,  den  gleichen  Ton  zu  treffen.  Aber ohne daß es ihr glücken wollte. Sie träumte so hin, und nur eigentlich traurig war sie nicht. Noch weniger unglücklich. Unter  denen,  die  sich  mit  dem  Stück,  also  mit  der  Tagesfrage  beschäftigten,  waren  auch  die Offiziere vom Regiment Gensdarmes, obschon ihnen nicht einfiel, sich ernsthaft auf ein Für oder Wider einzulassen. Sie sahen alles ausschließlich auf seine komische Seite hin an und fanden in der Auflösung eines Nonnenklosters, in Katharina von Boras »neunjähriger Pflegetochter« und endlich in dem beständig flötespielenden Luther einen unerschöpflichen Stoff für ihren Spott und Übermut. Ihr  Lieblingsversammlungsort  in  jenen  Tagen  war  die  Wachtstube  des  Regiments,  wo  die jüngeren Kameraden den diensttuenden Offizier zu  besuchen und sich bis in die Nacht hinein zu divertieren  pflegten.  Unter  den  Gesprächen,  die  man  in  Veranlassung  der  neuen  Komödie  hier führte, kamen Spöttereien wie die vorgenannten kaum noch von der Tagesordnung, und als einer der  Kameraden  daran  erinnerte,  daß  das  neuerdings  von  seiner  früheren  Höhe  herabgestiegene Regiment eine Art patriotische Pflicht habe, sich mal wieder »als es selbst« zu zeigen, brach ein ungeheurer  Jubel  aus,  an  dessen  Schluß  alle  einig waren, »daß etwas geschehen müsse«. Daß es sich dabei lediglich um eine Travestie der »Weihe der Kraft«, etwa durch eine Maskerade, handeln könne, stand von vornherein fest, und nur über das »wie« gingen die Meinungen noch auseinander. Infolge  davon  beschloß  man,  ein  paar  Tage  später  eine  neue  Zusammenkunft  abzuhalten,  in  der nach Anhörung einiger Vorschläge der eigentliche Plan fixiert werd en sollte. Rasch hatte sich’s herumgesprochen, und als Tag und Stunde da waren, waren einige zwanzig Kameraden in dem vorerwähnten Lokal erschienen: Itzenplitz, Jürgaß und Britzke,  Billerbeck und Diricke, Graf Haeseler, Graf Herzberg, von Rochow, von Putlitz, ein Kracht, ein Klitzing und nicht zum  letzten  ein  schon  älterer  Leutnant  von  Zieten,  ein  kleines,  häß liches  und  säbelbeiniges Kerlchen,  das  durch  entfernte  Vetterschaft  mit  dem  berühmten  General  und  beinahe  mehr  noch durch eine keck in die Welt hineinkrähende Stimme zu balancieren wußte, was ihm an sonstigen Tugenden abging. Auch Nostitz und Alvensleben waren erschienen. Schach f ehlte. »Wer präsidiert?« fragte Klitzing. »Nur zwei Möglichkeiten«, antwortete Diricke. »Der längste oder der kürzeste. Will also sagen, Nostitz oder Zieten.« »Nostitz, Nostitz«, riefen alle durcheinander, und der so durch Akklamation Gewählte nahm auf einem ausgebuchteten Gartenstuhle Platz. Flaschen und Gläser standen die lange Tafel entlang. »Rede halten: Assemblée nationale ...« Nostitz ließ den Lärm eine Weile dauern und klopfte dann erst mit dem ihm als Zeichen seiner Würde zur Seite liegenden Pallasch auf den Tisch. »Silentium, silentium.« »Kameraden vom Regiment Gensdarmes, Erben eines alten Ruhmes auf dem Felde militärischer und gesellschaftlicher Ehre – denn wir haben nicht nur der Schlacht die Richtung, wir haben auch der  Gesellschaft  den  Ton  gegeben  –,  Kameraden,  sag  ich,  wir  sind  schlüssig  geworden;  es  muß etwas geschehen!« 38
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Mit Vertrag über die abschließen...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsges...
Wettbewerbsrecht, Markenrecht und Kartellrecht
 
   
 
     
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>| 

Back to the topic sites:
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres/Romane
CopyrightedBy.com/Startseite/Autoren/F/Fontane

External Links to this site are permitted without prior consent.
   
  Home  |  deutsch  |  Set bookmark  |  Send a friend a link  |  Impressum