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Der Schach von Wuthenow

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»Sie nehmen es zu leicht ... Aber nun der Prinz ...« »Er will Sie sehen, beide, Mutter und Tochter. Frau Pauline, die, wie Sie vielleicht wissen, den Zirkel des Prinzen macht, soll Ihnen eine Einladung überbringen.« »Der zu gehorchen Mutter und Tochter sich zu besondrer Ehre rechnen w erden.« »Was mich nicht wenig überrascht. Und Sie können, meine teure Victoire, dies kaum im Ernst gesprochen haben. Der Prinz ist mir ein gnädiger Herr, und ich lieb ihn de tout mon cœur. Es bedarf keiner Worte darüber. Aber er ist ein Licht mit einem reichlichen Schatten, oder, wenn Sie mir den Vergleich  gestatten  wollen,  ein  Licht,  das  mit  einem  Räuber  brennt.  Alles  in  allem,  er  hat  den zweifelhaften   Vorzug   so   vieler   Fürstlichkeiten,   in   Kriegs-   und   in   Lie besabenteuern   gleich hervorragend zu sein, oder es noch runder herauszusagen, er ist abwechselnd ein Helden- und ein Debauchenprinz. Dabei grundsatzlos und rücksichtslos, sogar ohne Rücksicht auf den Schein. Was vielleicht das Allerschlimmste ist. Sie kennen seine Beziehungen zu Frau Pauline?« »Ja.« »Und ...« »Ich  billige  sie  nicht.  Aber  sie  nicht  billigen  ist  etwas  anderes,  als  sie  verurteilen.  Mama  hat mich gelehrt, mich über derlei Dinge nicht zu kümmern und zu grämen. Und hat sie nicht recht? Ich frage  Sie,  lieber  Schach,  was  würd  aus  uns,  ganz  speziell  aus  uns  zwei  Frauen,  wenn  wir  uns innerhalb unserer Umgangs- und Gesellschaftssphäre zu Sittenrichtern aufwerfen und Männlein und Weiblein  auf  die  Korrektheit  ihres  Wandelns  hin  prüfen  wollten?  Etwa  durch  eine  Wasser-  und Feuerprobe. Die Gesellschaft ist souverän. Was sie gelten läßt, gilt, was sie verwirft, ist verwerflich. Außerdem liegt hier alles exzeptionell. Der Prinz ist ein Prinz, Frau von Carayon ist eine Witwe, und ich ... bin ich.« »Und bei diesem Entscheide soll es bleiben, Victoire?« »Ja. Die Götter balancieren. Und wie mir Lisette Perbandt eben schreibt: ›wem genommen wird, dem wird auch gegeben.‹ In meinem Falle liegt der Tausch etwas schmerzlich, und ich wünschte wohl,  ihn  nicht  gemacht  zu  haben.  Aber  andrerseits  geh  ich  nicht  blind  an  dem  eingetauschten Guten  vorüber  und  freue  mich  meiner  Freiheit.  Wovor  andre  meines  Alters  und  Geschlechts erschrecken, das darf ich. An dem Abende bei Massows, wo man mir zuerst huldigte, war ich, ohne mir  dessen  bewußt  zu  sein,  eine  Sklavin.  Oder doch abhängig von hundert Dingen. Jetzt bin ich frei.« Schach sah verwundert auf die Sprecherin. Manches, was der Prinz über sie gesagt hatte, ging ihm durch den Kopf. Waren das Überzeugungen oder Einfälle? War es Fieber? Ihre Wangen hatten sich gerötet, und ein aufblitzendes Feuer in ihrem Auge traf ihn mit dem Ausdruck einer trotzigen Entschlossenheit.  Er  versuchte  jedoch,  sich  in  den  leichten  Ton,  in  dem  ihr  Gespräch  begonnen hatte, zurückzufinden, und sagte: »Meine teure Victoire scherzt. Ich möchte wetten, es ist ein Band Rousseau, was da vor ihr liegt, und ihre Phantasie geht mit dem Dichter.« »Nein, es ist nicht Rousseau. Es ist ein anderer, der mich mehr interessiert.« »Und wer, wenn ich neugierig sein darf?« »Mirabeau.« »Und warum mehr?« »Weil er mir näher steht. Und das Allerpersönlichste bestimmt immer unser Urteil. Oder doch fast  immer.  Er  ist  mein  Gefährte,  mein  spezieller  Leidensgenoß.  Unter  Schmeicheleien  wuchs  er auf. ›Ah, das schöne Kind‹, hieß es tagein, tagaus. Und dann eines Tages war alles hin, hin wie ... wie ...« »Nein, Victoire, Sie sollen das Wort nicht aussprechen.« »Ich  will  es  aber,  und  würde  den  Namen  meines  Gefährten  und  Leidensgenossen  zu  meinem eigenen machen, wenn ich es könnte. Victoire Mirabeau de Carayon, oder sagen wir Mirabelle de Carayon,   das   klingt   schön   und   ungezwungen,   und   wenn   ich’s   recht   übersetze,   so   heißt   es Wunderhold.« Und dabei lachte sie voll Übermut und Bitterkeit. Aber die Bitterkeit klang vor. »Sie dürfen so nicht lachen, Victoire, nicht so. Das kleidet Ihnen nicht, das verhäßlicht Sie. Ja, werfen Sie nur die Lippen – verhäßlicht Sie. Der Prinz hatte doch recht, als er enthusiastisch von 34
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
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Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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