| |
Carayon angehören, sich zum Interpreten meiner Wünsche machen. Sie, Schach, oder auch Sie, lieber Alvensleben.« Beide verneigten sich. »Alles in allem wird es das Beste sein, meine Freundin Pauline nimmt es persönlich in die Hand. Ich denke, sie wird den Carayonschen Damen einen ersten Besuch machen, und ich sehe Stunden eines angeregtesten geistigen Austausches entgegen.« Die peinliche Stille, womit auch diese Schlußworte hingenommen wurden, würde noch fühlbarer gewesen sein, wenn nicht Dussek in ebendiesem Moment auf den Balkon hinausgetreten wäre. »Wie schön«, rief er und wies mit der Hand auf den westlichen, bis hoch hinauf in einem glühgelben Licht stehenden Horizont. Alle waren mit ihm an die Brüstung des Balkons getreten und sahen flußabwärts in den Abendhimmel hinein. Vor dem gelben Lichtstreifen standen schwarz und schweigend die hohen Pappeln, und selbst die Schloßkuppel wirkte nur noch als Schattenriß . Einen jeden der Gäste berührte diese Schönheit. Am schönsten aber war der Anblick zahlloser Schwäne, die, während man in den Abendhimmel sah, vom Charlottenburger Park her in langer Reihe herankamen. Andere lagen schon in Front. Es war ersichtlich, daß die ganze Flottille durch irgend was bis in die Nähe der Villa gelockt sein mußte, denn sobald sie die Höhe derselben erreicht hatte, schwenkten sie wie militärisch ein und verlängerten die Front derer, die hier schon still und regungslos und die Schnäbel unter dem Gefieder verborgen, wie vor Anker lagen. Nur das Rohr bewegte sich leis in ihrem Rücken. So verging eine geraume Zeit. Endlich aber erschien einer in unmittelbarer Nähe des Balkons und reckte den Hals, als ob er etwas sage n wollte. »Wem gilt es?« fragte Sander. »Dem Prinzen oder Dussek oder der Sinumbralampe.« »Natürlich dem Prinzen«, antwortete Dussek. »Und warum?« »Weil er nicht bloß Prinz ist, sondern auch Dussek und sine umbra.« Alles lachte (der Prinz mit), während Sander allerförmlichst »zum Hofkapellmeister« gratulierte. »Und wenn unser Freund«, so schloß er, »in Zukunft wieder Strohhalme sammelt, um an ihnen zu sehen, woher der Wind weht, so wird der Wind ihm allemal aus dem Lande geheiligter Traditionen und nicht mehr aus dem Lande der Vorurteile zu kommen scheinen.« Als Sander noch so sprach, setzte sich die Schwanenflottille, die wohl durch die Dusseksche Musik herbeigelockt sein mußte, wieder in Bewegung und segelte flußabwärts, wie sie bis dahin flußaufwärts gekommen war. Nur der Schwan, der den Obmann gemacht, erschien noch einmal, als ob er seinen Dank wiederholen und sich in zermoniellster Weise verabschieden wolle. Dann aber nahm auch er die Mitte des Flusses und folgte den übrigen, deren Tete sch on unter dem Schatten der Parkbäume verschwunden war. 31 |  |
|
| |
|
|