Titel:

Der Schach von Wuthenow

Startseite
english
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
|<< Anfang     < Zurück     Index     Weiter >     Ende >>|
  Wir empfehlen:       
 

Der  Prinz  bemerkte  die  Verstimmung  und  wollte  sie  kupieren.  »Es  hilft  Ihnen  nichts,  lieber Schach. Sie sprechen, als ob Sie mich abschrecken wollten. Aber weit gefehlt. Ich bitte Sie, was ist Schönheit? Einer der allervagesten Begriffe. Muß ich Sie an die fünf Kategorien erinnern, die wir in erster  Reihe  Seiner  Majestät  dem  Kaiser  Alexander  und  in  zweiter  unserem  Freunde  Bülow verdanken?  Alles  ist  schön  und  nichts.  Ich  persönlich  würde  der  beauté   du  diable  jederzeit  den Vorzug  geben,  will  also  sagen  einer  Erscheinungsform,  die  sich  mit  der  des  cidevant  schönen Fräuleins von Carayon einigermaßen decken würde.« »Königliche Hoheit halten zu Gnaden«, entgegnete Nostitz, »aber es bleibt mir doch zweifelhaft, ob  Königliche  Hoheit  die  Kennzeichen  der  beauté  du  diable  an  Fräulein  Victoire  wahrnehmen würden.   Das   Fräulein   hat   einen   witzig-elegischen   Ton,   was   auf   den    ersten   Blick   als   ein Widerspruch  erscheint  und  doch  keiner  ist,  unter  allen  Umständen  aber  als  ihr  charakteristischer Zug gelten kann. Meinen Sie nicht auch, Alvensleben?« Alvensleben bestätigte. Der Prinz indessen, der ein Sicheinbohren in Fragen über die Maßen liebte, fuhr, indem er sich dieser Neigung auch heute hingab, immer lebhafter werdend, fort: »›Elegisch‹, sagen Sie, ›witzig- elegisch‹;  ich  wüßte  nicht,  was  einer  beauté  du  diable  besser  anstehen  könnte.  Sie  fassen  den Begriff offenbar zu eng, meine Herren. Alles, was Ihnen dabei vorschwebt, ist nur eine Spielart der alleralltäglichsten Schönheitsform, der beauté coquette: das Näschen ein wenig mehr gestubst, der Teint ein wenig dunkler, das Temperament ein wenig rascher, die Manieren ein wenig kühner und rücksichtsloser. Aber damit erschöpfen Sie die höhere Form der beauté du diable keineswegs. Diese hat etwas Weltumfassendes, das über eine bloße Teint- und Rassenfrage weit hinausgeht. Ganz wie die katholische Kirche. Diese wie jene sind auf ein Innerliches gestellt, und das Innerliche, das in unserer Frage den Ausschlag gibt, heißt Energie, Feuer, Leidenschaft. « Nostitz und Sander lächelten und nickten. »Ja,  meine  Herren,  ich  gehe  weiter  und  wiederhole:  ›was  ist  Schönheit?‹  Schönheit,  bah!  Es kann nicht nur auf die gewöhnlichen Schönheitsformen verzichtet werden, ihr Fehlen kann sogar einen allerdirektesten Vorzug bedeuten. In der Tat, lieber Schach, ich habe wunderbare Niederlagen und noch wunderbarere Siege gesehen. Es ist auch in der Liebe wie bei Mo rgarten und Sempach, die schönen Ritter werden geschlagen und die häßlichen Bauern triumphieren. Glauben Sie mir, das Herz entscheidet, nur das Herz. Wer liebt, wer die Kraft der Liebe hat, ist auch liebenswürdig, und es wäre grausam, wenn es anders wäre. Gehen Sie die Reihe der eigenen Erfahrungen durch. Was ist alltäglicher, als eine schöne Frau durch eine nicht schöne Geliebte verdrängt zu sehen! Und nicht etwa  nach  dem  Satze  toujours  perdrix.  O  nein,  es  hat  dies  viel  tiefere  Zusammenhänge.  Das Langweiligste von der Welt ist die lymphatisch-phlegmatische beauté, die beauté par excellence. Sie  kränkelt  hier,  sie  kränkelt  da,  ich  will  nicht  sagen  immer  und  notwendig,  aber  doch  in  der Mehrzahl  der  Fälle,  während  meine  beauté  du  diable  die  Trägerin  einer  allervollkommensten Gesundheit ist, jener Gesundheit, die zuletzt alles bedeutet und gleichwertig ist mit höchstem Reiz. Und nun frag ich Sie, meine Herren, wer hätte mehr davon als die Natur, die durch die größten und gewaltigsten Läuterungsprozesse wie durch ein Fegefeuer gegangen ist. Ein paar Grübchen in der Wange sind das Reizendste von der Welt, das hat schon bei den Römern und Griechen gegolten, und  ich  bin  nicht  ungalant  und  unlogisch  genug,  um  einer  Grübchen-Vielheit  einen  Respekt  und eine Huldigung zu versagen, die der Einheit oder dem Pärchen von alters her gebührt. Das paradoxe ›le laid c’est le beau‹ hat seine vollkommene Berechtigung, und es heißt nichts andres, als daß sich hinter dem anscheinend Häßlichen eine höhere Form der Schönheit verbirgt. Wäre meine Pauline hier,  wie  sie’s  leider  nicht  ist,  sie  würde  mir  zustimmen,  offen  und  nachdrücklich,  ohne  durch persönliche Schicksale kaptiviert zu sein.« Der  Prinz  schwieg.  Es  war  ersichtlich,  daß  er  auf  einen  allseitigen  Ausdruck  des  Bedauerns wartete, Frau Pauline, die gelegentlich die Honneurs des Hauses machte, heute nicht anwesend zu sehen. Als aber niemand das Schweigen brach, fuhr er fort: »Es fehlen uns die Frauen, und damit dem Wein und unserem Leben der Schaum. Ich nehme meinen Wunsch wieder auf und wiederhole, daß  es  mich  glücklich  machen  würde,  die  Carayonschen  Damen  in  dem  Salon  meiner  Freundin empfangen  zu  dürfen.  Ich  zähle  darauf,  daß  diejenigen  Herren,  die  dem  Kreise  der  Frau  von 30
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
|<< Anfang     < Zurück     Index     Weiter >     Ende >>| 

Zurück zu Themenseiten:
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres/Romane
CopyrightedBy.com/Startseite/Autoren/F/Fontane

Das Setzen von Verweisen (Links) auf diese Seite ist gestattet und bedarf keine vorherige Absprache.
   
  Startseite  |  english  |  Bookmark setzen  |  Webseite weiterempfehlen  |  Impressum