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Der Schach von Wuthenow

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fünfzehn Jahren einen Schritt vorwärts gemacht hat, und daß sich die großen Geschicke derselben nicht notwendig zwischen Nuthe und Notte vollziehen müssen. In Hannover aber glaubt man immer noch an eine Spezialaufgabe Kalenbergs und der Lüneburger Heide. Nomen est omen. Es ist der Sitz der Stagnation, eine Brutstätte der Vorurteile. Wir wissen wenigstens, daß wir nichts taugen, und  in  dieser  Erkenntnis  ist  die  Möglichkeit  der  Besserung  gegeben.  Im  einzelnen  bleiben  wir hinter  ihnen  zurück,  zugegeben,  aber  im  ganzen  sind  wir  ihnen  voraus,  und  darin  steckt  ein Anspruch und ein Recht, die wir geltend machen müssen. Daß wir, trotz Sander, in Polen eigentlich gescheitert  sind,  beweist  nichts;  der  Staat  strengte  sich  nicht  an  und  hielt  seine  Steuereinnehmer gerade  für  gut  genug,  um  die  Kultur  nach  Osten  zu  tragen.  Insoweit  mit  Recht,  als  selbst  ein Steuereinnehmer die Ordnung vertritt, wenn auch freilich von der unangenehmen Seite.« Victoire, die von dem Augenblick an, wo Polen mit ins Gespräch gezogen worden war, ihren Platz am Teetisch aufgegeben hatte, drohte jetzt zu dem Sprecher hinüber und sagte: »Sie müssen wissen, Herr von Bülow, daß ich die Polen liebe, sogar de tout mon cœur.« Und dabei beugte sie sich  aus  dem  Schatten  in  den  Lichtschein  der  Lampe  vor,  in  dessen  Helle  man  jetzt  deutlich erkennen  konnte,  daß  ihr  feines  Profil  einst  dem  der  Mutter  geglichen  haben  mochte,  durch zahlreiche Blatternarben aber um seine frühere Schönheit gekommen war. Jeder  mußt  es  sehen,  und  der  einzige,  der  es  nicht  sah  oder,  wenn  er  es  sah,   als  absolut gleichgültig  betrachtete,  war  Bülow.  Er  wiederholte  nur:  »O  ja,  die  Polen.  Es  sind  die  besten Mazurkatänzer, und darum lieben Sie sie.« »Nicht doch. Ich liebe sie, weil sie ritterlich und unglücklich si nd.« »Auch  das.  Es  läßt  sich  dergleichen  sagen.  Und  um  dies  ihr  Unglück  könnte  man  sie  beinah beneiden, denn es trägt ihnen die Sympathien aller Damenherzen ein. In Fraueneroberungen haben sie, von alter Zeit her, die glänzendste Kriegsgeschichte.« »Und wer rettete ...« »Sie  kennen  meine  ketzerischen  Ansichten  über  Rettungen.  Und  nun  gar  Wien!  Es  wurde gerettet.  Allerdings.  Aber  wozu?  Meine  Phantasie  schwelgt  ordentlich  in  der  Vorstellung,  eine Favoritsultanin in der Krypta der Kapuziner stehen zu sehen. Vielleicht da, wo jetzt Maria Theresia steht. Etwas vom Islam ist bei diesen Hahndel- und Fasahndelmännern immer zu Hause gewesen, und Europa hätt ein bißchen mehr von Serailoder Haremwirtschaft ohne großen Schaden ertragen ...« Ein  eintretender  Diener  meldete  den  Rittmeister  von  Schach,  und  ein  Schimmer  freudiger Überraschung überflog beide Damen, als der Angemeldete gleich danach eintrat. Er küßte der Frau von   Carayon   die   Hand,   verneigte   sich   gegen   Victoire   und   begrüßte   dann   Alvensleben   mit Herzlichkeit, Bülow und Sander aber mit Zurückhaltung. »Ich fürchte, Herrn von Bülow unterbrochen zu haben ...« »Ein allerdings unvermeidlicher Fall«, antwortete Sander und rückte seinen Stuhl zur Seite. Man lachte,  Bülow  selbst  stimmte  mit  ein,  und  nur  an  Schachs  mehr  als  gewöhnlicher  Zurückhaltung ließ  sich  erkennen,  daß  er  entweder  unter  dem  Eindruck  eines  ihm  persönlich  unangenehmen Ereignisses oder aber einer politisch unerfreulichen Nachricht in den Salon eingetreten sein müsse. »Was bringen Sie, lieber Schach? Sie sind präokkupiert. Sind neue Stürme ...« »Nicht das, gnädigste Frau, nicht das. Ich komme von der Gräfin Haugwitz, bei der ich um so häufiger  verweile,  je  mehr  ich  mich  von  dem  Grafen  und  seiner  Politik  zurückziehe.  Die  Gräfin weiß es und billigt mein Benehmen. Eben begannen wir ein Gespräch, als sich draußen vor dem Palais eine Volksmasse zu sammeln begann, erst Hunderte, dann Tausende. Dabei wuchs der Lärm, und zuletzt ward ein Stein geworfen und flog an dem Tisch vorbei, daran wir saßen. Ein Haar breit und die Gräfin wurde getroffen. Wovon sie aber wirklich getroffen wurde, das waren die Worte, die Verwünschungen, die heraufklangen. Endlich erschien der Graf selbst. Er war vollkommen gefaßt und verleugnete keinen Augenblick den Kavalier. Es währte jedoch lang, eh die Straße gesäubert werden konnte. Sind wir bereits dahin gekommen? Emeute, Krawall. Und das im Lande Preußen, unter den Augen Seiner Majestät.« »Und   speziell   uns   wird   man   für   diese   Geschehnisse   verantwortlich   machen«,   unterbrach Alvensleben,  »speziell  uns  von  den  Gensdarmes.  Man  weiß,  daß  wir  diese  Liebedienerei  gegen 3
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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