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Der Schach von Wuthenow

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holländischen Pfeifen in Brand, unter denen jeder nach Gefallen wählte. Dussek allein, weil er die Musikpassion   des   Prinzen   kannte,   war   phantasierend   an   dem   im   Eßsaale   stehenden   Flügel zurückgeblieben  und  sah  nur,  wenn  er  den  Kopf  zur  Seite  wandte,  die  jetzt  wieder  lebhafter plaudernden Tischgenossen und ebenso die Lichtfunken, die von Zeit zu Zeit aus ihren Tonpfeifen aufflogen. Das  Gespräch  hatte  das  Ordensthema  nicht  wieder  aufgenommen,  wohl  aber  sich  der  ersten Veranlassungen desselben, also Iffland und dem in Sicht stehenden neuen Schauspiele, zugewandt, bei  welcher  Gelegenheit  Alvensleben  bemerkte,  »daß  er  einige  der  in  den  Text  eingestreuten Gesangsstücke während dieser letzten Tage kennengelernt habe. Gemeinschaftlich mit Schach. Und zwar  im  Salon  der  liebenswürdigen  Frau  von  Carayon  und  ihrer  Tochter  Victoire.  Diese  habe gesungen und Schach begleitet.« »Die Carayons«, nahm der Prinz das Wort. »Ich höre keinen Namen jetzt öfter als den. Meine teure Freundin Pauline hat mir schon früher von beiden Damen erzählt, und neuerdings auch die Rahel. Alles vereinigt sich, mich neugierig zu machen und Anknüpfungen zu suchen, die sich, mein ich,   unschwer   werden   finden   lassen.   Entsinn   ich   mich   doch   des   schönen   Fräuleins   vom Massowschen  Kinderballe  her,  der,  nach  Art  aller  Kinderbälle,  des  Vorzugs  genoß,  eine  ganz besondere Schaustellung erwachsener und vollerblühter Schönheiten zu sein. Und wenn ich sage: ›vollerblühter‹, so sag ich noch wenig. In der Tat, an keinem Ort und zu keiner Zeit hab ich je so schöne  Dreißigerinnen  auftreten  sehen,  als  auf  Kinderbällen.  Es  ist,  als  ob  die  Nähe  der  bewußt oder unbewußt auf Umsturz sinnenden Jugend alles, was heute noch herrscht, doppelt und dreifach anspornte, sein Übergewicht geltendzumachen, ein Übergewicht, das vielleicht morgen schon nicht mehr vorhanden ist. Aber gleichviel, meine Herren, es wird sich ein für allemal sagen lassen, daß Kinderbälle nur für Erwachsene da sind, und dieser interessanten Erscheinung in ihren Ursachen nachzugehen,  wäre  so  recht  eigentlich  ein  Thema  für  unsren  Gentz.  Ihr  philosophischer  Freund Buchholtz, lieber Sander, ist mir zu solchem Spiele nicht graziös genug. Übrigens nichts für ungut; er ist Ihr Freund.« »Aber  doch  nicht  so«,  lachte  Sander,  »daß  ich  nicht  jeden  Au genblick  bereit  wäre,  ihn  Eurer Königlichen   Hoheit   zu   opfern.   Und   wie   mir   bei   dieser   Gelegenheit   gestattet   sein   mag hinzuzusetzen,   nicht   bloß   aus   einem   allerspeziellsten,   sondern   auch   noch   aus   einem   ganz allgemeinen Grunde. Denn wenn die Kinderbälle, nach Ansicht und Erfahrung Eurer Königlichen Hoheit, eigentlich am besten ohne Kinder bestehen, so die Freundschaften am besten ohne Freunde. Die   Surrogate   bedeuten   überhaupt   alles   im   Leben,   und   sind   recht   eigentlich   die   letzte Weisheitsessenz.« »Es  muß  sehr  gut  mit  Ihnen  stehen,  lieber  Sander«,  entgegnete  der  Prinz,  »daß  Sie   sich  zu solchen Ungeheuerlichkeiten offen bekennen können. Mais revenons à notre belle Victoire. Sie war unter den jungen Damen, die durch lebende Bilder das Fest damals einleiteten, und stellte, wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt, eine Hebe dar, die dem Zeus eine Schale reichte. Ja, so war es, und  indem  ich  davon  spreche,  tritt  mir  das  Bild  wieder  deutlich  vor  die  Seele.  Sie  war  kaum fünfzehn und von jener Taille, die jeden Augenblick zu zerbrechen scheint. Aber sie zerbrechen nie. ›Comme un ange‹, sagte der alte Graf Neale, der neben mir stand und mich durch eine Begeisterung langweilte, die mir einfach als eine Karikatur der meinigen erschien. Es wäre mir eine Freude, die Bekanntschaft der Damen erneuern zu können.« »Eure  Königliche  Hoheit  würden  das  Fräulein  Victoire  nicht  wiedererkennen«,  sagte  Schach, dem der Ton, in dem der Prinz sprach, wenig angenehm war. »Gleich nach dem Massowschen Balle wurde  sie  von  den  Blattern  befallen  und  nur  durch  ein  Wunder  gerettet.  Ein  gewisser  Reiz  der Erscheinung   ist   ihr   freilich   geblieben,   aber   es   sind   immer   nur   Momente,   wo   die   seltene Liebenswürdigkeit  ihrer  Natur  einen  Schönheitsschleier  über  sie  wirft  und  den  Zauber  ihrer früheren Tage wiederherzustellen scheint.« »Also restitutio in integrum«, sagte Sander. Alles lachte. »Wenn Sie so wollen, ja«, antwortete Schach in einem spitzen Tone, während er sich ironisch gegen Sander verbeugte. 29
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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