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Der Schach von Wuthenow

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Heimwege tauschte Schach und führte mich. Er sprach sehr anziehend und in einem Tone, der mir ebenso wohltat, als er mich überraschte. Jedes Wort ist mir noch in der Erinnerung geblieben und gibt mir zu denken. Aber was geschah? Als wir  wieder am Eingange des Dorfes waren, wurd er schweigsamer und wartete auf die Mama. Dann bot er ihr den Arm, und so gingen sie durch das Dorf nach dem Gasthause zurück, wo die Wagen hielten und viele Leute versammelt waren. Es gab mir  einen  Stich  durchs  Herz,  denn  ich  konnte  mich  des  Gedankens  nicht  erwehren,  daß  es  ihm peinlich  gewesen  sei,  mit  mir  und  an  meinem  Arm  unter  den  Gästen  zu  erscheinen.  In  seiner Eitelkeit, von der ich ihn nicht freisprechen kann, ist es ihm unmöglich, sich über das Gerede der Leute hinwegzusetzen, und ein spöttisches Lächeln verstimmt ihn auf eine Woche. So selbstbewußt er ist, so schwach und abhängig ist er in diesem einen Punkte. Vor niemandem in der Welt, auch vor der Mama nicht, würd ich ein solches Bekenntnis ablegen, aber Dir gegenüber mußt ich es. Hab ich  unrecht,  so  sage  mir,  daß  mein  Unglück  mich  mißtrauisch  gemacht  habe,  so  halte  mir  eine Strafpredigt  in  allerstrengsten  Worten,  und  sei  versichert, daß ich sie mit dankbarem Auge lesen werde. Denn all seiner Eitelkeit unerachtet, schätz ich ihn wie keinen andern. Es ist ein Satz, daß Männer  nicht  eitel  sein  dürfen,  weil  Eitelkeit  lächerlich  mache.  Mir  scheint  dies  übertrieben.  Ist aber der Satz dennoch richtig, so bedeutet Schach eine Ausnahme. Ich hasse das Wort »ritterlich« und habe doch kein anderes für ihn. Eines ist er vielleicht noch mehr, diskret, imponierend, oder doch voll natürlichen Ansehns, und sollte sich mir das erfüllen, was ich um der Mama und auch um meinetwillen wünsche, so würd es mir nicht schwer werden, mich in eine Respektsstellung zu ihm hineinzufinden. Und dazu noch eins. Du hast ihn nie für sehr gescheit gehalten, und ich meinerseits habe nur schüchtern  widersprochen.  Er  hat  aber  doch  die  beste  Gescheitheit,  die  mittlere,  dazu  die  des redlichen Mannes. Ich empfinde dies jedesmal, wenn er seine Fehde mit Bülow führt. So sehr ihm dieser überlegen ist, so sehr steht er doch hinter ihm zurück. Dabei fällt mir mitunter auf, wie der Groll, der sich in unserm Freunde regt, ihm eine gewisse Schlagfertigkeit, ja, selbst Esprit verleiht. Gestern hat er Sander, dessen Persönlichkeit Du  kennst, den Bülowschen Sancho Pansa genannt. Die weiteren Schlußfolgerungen ergeben sich von selbst, und ich find es nicht übel. Sanders Publikationen machen mehr von sich reden denn je; die Zeit unterstützt das Interesse für eine  lediglich  polemische  Literatur.  Außer  von  Bülow  sind  auch  Aufsätze  von  Massenbach  und Phull   erschienen,   die   von   den   Eingeweihten   als   etwas   Besonderes   und   nie   Dagewesenes ausgepriesen  werden.  Alles  richtet  sich  gegen  Österreich  und  beweist  aufs  neue,  daß,  wer  den Schaden hat, für den Spott nicht sorgen darf. Schach ist empört über dies anmaßliche Besserwissen, wie   er’s   nennt,   und   wendet   sich   wieder   seinen   alten   Liebhabereien   zu,   Kupferstichen   und Rennpferden. Sein kleiner Groom wird immer kleiner. Was bei den Chinesinnen die kleinen Füße sind,  sind  bei  den  Grooms  die  kleinen  Proportionen  überhaupt.  Ich  meinerseits  verhalte  mich ablehnend gegen beide, ganz besonders aber gegen die chinesisch eingeschnürten Füßchen, und bin umgekehrt froh, in einem bequemen Pantoffel zu stecken. Führen, schwingen werd ich ihn nie; das überlasse ich meiner teuren Lisette. Tu es mit der Milde, die Dir eigen ist. Empfiehl mich Deinem teuren Manne, der nur den einen Fehler hat, Dich mir entführt zu haben. Mama grüßt und küßt ihren Liebling,  ich  aber  lege  Dir  den  Wunsch  ans  Herz,  vergiß in der Fülle des Glücks, die Dir zuteil wurde, nicht ganz Deine, wie Du weißt, auf ein bloßes Pflichtteil des Glückes gesetzte Victoire. 22
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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