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Der Schach von Wuthenow

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5. Victoire von Carayon an Lisette von Perbandt Berlin, den 3. Mai. Ma chère Lisette. Wie froh war ich, endlich von Dir zu hören, und so Gutes. Nicht, als ob ich es anders erwartet hätte; wenige Männer hab ich kennengelernt, die mir so ganz eine Garantie des Glückes zu bieten scheinen, wie der Deinige. Gesund, wohlwollend, anspruchslos und von jenem schönen Wissens- und Bildungsmaß, das ein gleich gefährliches Zuviel und Zuwenig vermeidet. Wobei ein »Zuviel« das  vielleicht  noch  gefährlichere  ist.  Denn  junge  Frauen  sind  nur  zu  geneigt,  die  Forderung  zu stellen:  »Du  sollst  keine  andren  Götter  haben  neben  mir.«  Ich  sehe  das  beinah  täglich  bei Rombergs, und Marie weiß es ihrem klugen und liebenswürdigen Gatten wenig Dank, daß er über Politik und französische Zeitungen die Visiten und Toiletten vergiß t. Was mir allein eine Sorge machte, war Deine neue masurische Heimat, ein Stück Land, das ich mir  immer  als  einen  einzigen  großen  Wald  mit  hundert  Seen  und  Sümpfen  vorgestellt  habe.  Da dacht ich denn, diese neue Heimat könne Dich leicht in ein melancholisches Träumen versetzen, das dann immer der Anfang zu Heimweh oder wohl gar zu Trauer und Tränen ist. Und davor, so hab ich mir sagen lassen, erschrecken die Männer. Aber ich sehe zu meiner herzlichen Freude, daß Du  auch  dieser  Gefahr  entgangen  bist  und  daß  die  Birken,  die  Dein  Schloß  umstehn,  grüne Pfingstmaien   und   keine   Trauerbirken   sind.   A   propos,   über   das   Birkenwasser   mußt   Du   mir gelegentlich schreiben. Es gehört zu den Dingen, die mich immer neugierig gemacht haben und die kennenzulernen mir bis diesen Augenblick versagt geblieben ist. Und  nun  soll  ich  Dir  über  uns  berichten.  Du  frägst  teilnehmend  nach  all  und  jedem,  und verlangst sogar von Tante Margueritens neuester Prinzessin und neuester Namensverwechslung zu hören. Ich könnte Dir gerade davon erzählen, denn es sind keine drei Tage, daß wir (wenigstens von diesen Verwechslungen) ein gerüttelt und geschüttelt Maß gehab t haben. Es war auf einer Spazierfahrt, die Herr von Schach mit uns machte, nach Tempelhof, und zu der auch das Tantchen aufgefordert werden mußte, weil es ihr Tag war. Du weißt, daß wir sie jeden Dienstag als Gast in unsrem Hause sehn. Sie war denn auch mit uns in der »Kürche«, wo sie, beim Anblick  einiger  Heiligenbilder  aus  der  katholischen  Zeit  her,  nicht  nur  beständig  auf  Ausrottung des  Aberglaubens  drang,  sondern  sich  mit  ebendiesem  Anliegen  auch  regelmäßig  an  Schach wandte, wie wenn dieser im Konsistorium säße. Und da leg ich denn (weil ich nun mal die Tugend oder Untugend habe, mir alles gleich leibhaftig vorzustellen) während des Schreibens die Feder hin, um mich erst herzlich auszulachen. Au fond freilich ist es viel weniger lächerlich, als es im ersten Augenblick  erscheint.  Er  hat  etwas  konsistorialrätlich  Feierliches,  u nd  wenn  mich  nicht  alles täuscht, so ist es gerade dies Feierliche, was Bülow so sehr gegen ihn einnimmt. Viel, viel mehr als der Unterschied der Meinungen. Und  beinah  klingt  es,  als  ob  ich  mich  in  meiner  Schilderung  Bülow  anschlösse.  Wirklich, wüßtest  Du’s  nicht  besser,  Du  würdest  dieser  Charakteristik  unsres  Freundes  nicht  entnehmen können, wie sehr ich ihn schätze. Ja, mehr denn je, trotzdem es an manchem Schmerzlichen nicht fehlt. Aber in meiner Lage lernt man milde sein, sich trösten, verzeihn. Hätt ich es nicht gelernt, wie könnt  ich  leben,  ich,  die  ich  so  gern  lebe!  Eine  Schwäche,  die  (w ie  ich  einmal  gelesen)  alle diejenigen haben sollen, von denen man es am wenigsten begreift. Aber ich sprach von manchem Schmerzlichen, und es drängt mich, Dir davon zu erzählen. Es  war  erst  gestern  auf  unsrer  Spazierfahrt.  Als  wir  den  Gang  aus  dem  Dorf  in  die  Kirche machten,  führte  Schach  Mama.  Nicht  zufällig,  es  war  arrangiert,  und  zwar  durch  mich.  Ich  ließ beide zurück, weil ich eine Aussprache (Du weißt  welche) zwischen beiden herbeiführen wollte. Solche  stillen  Abende,  wo  man  über  Feld  schreitet,  und  nichts  hört  als  das  Anschlagen  der Abendglocke, heben uns über kleine Rücksichten fort und machen uns freier. Und sind wir erst das, so  findet  sich  auch  das  rechte  Wort.  Was  zwischen  ihnen  gesprochen  wurde,  weiß  ich  nicht, jedenfalls  nicht  das,  was  gesprochen  werden  sollte.  Zuletzt  traten  wir  in  die  Kirche,  die  vom Abendrot  wie  durchglüht  war,  alles  gewann  Leben,  und  es  war  unvergeßlich  schön.  Auf  dem 21
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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