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Der Schach von Wuthenow

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»Nicht  eigentlich  das,  oder  wenigstens  nicht  in  allem.  Es  ist  erwiesen,  daß  wir  Templer  in diesem Lande hatten, und die Kirche hier mit ihren vorgotischen Formen mag sehr wohl bis in jene Templertage zurückreichen. So viel ist glaubhaft.« »Ich höre so gern von diesem Orden.« »Auch ich. Er ist von der strafenden Hand Gottes am schwersten heimgesucht worden und eben deshalb   auch   der   poetischste   und   interessanteste.   Sie   wissen,   was   ihm   vorgeworfen   wird: Götzendienst,  Verleugnung  Christi,  Laster  aller  Art.  Und  ich  fürchte,  mit  Recht.  Aber  groß  wie seine Schuld, so groß war auch seine Sühne, ganz dessen zu geschweigen, daß auch hier wieder der unschuldig Überlebende die Schuld voraufgegangener Geschlechter zu büßen hatte. Das Los und Schicksal  aller  Erscheinungen,  die  sich,  auch  da  noch  wo  sie  fehlen  und   irren,  dem Alltäglichen entziehn.   Und   so   sehen   wir   denn   den   schuldbeladenen   Orden,   all   seiner   Unrühmlichkeiten unerachtet,  schließlich  in  einem  wiedergewonnenen  Glorienschein  zu  Grunde  gehen.  Es  war  der Neid, der ihn tötete, der Neid und der Eigennutz, und schuldig oder nicht, mich überwältigt seine Größe.« Victoire  lächelte.  »Wer  Sie  so  hörte,  lieber  Schach,  könnte  meinen,  einen  nachgeborenen Templer in Ihnen zu sehen. Und doch war es ein mönchischer Orden, und mönchisch war auch sein Gelübde. Hätten Sie’s vermocht, als Templer zu leben und zu sterben?« »Ja.« »Vielleicht   verlockt   durch   das   Kleid,   das   noch   kleidsamer   war   als   die   Supra-Weste   der Gensdarmes.« »Nicht durch das Kleid, Victoire. Sie verkennen mich. Glauben Sie mir, es lebt etwas in mir, das mich vor keinem Gelübde zurückschrecken läßt.« »Um es zu halten?« Aber eh er noch antworten konnte, fuhr sie rasch in wieder scherzhafter werdendem Tone fort: »Ich  glaube,  Philipp  le  Bel  hat  den  Orden  auf  dem  Gewissen.  Sonderbar,  daß  alle  historischen Personen, die den Beinamen des ›Schönen‹ führen, mir unsympathisch sind. Und ich hoffe, nicht aus  Neid.  Aber  die  Schönheit,  das  muß  wahr  sein,  macht  selbstisch,  und  wer  selbstisch  ist,  ist undankbar und treulos.« Schach suchte zu widerlegen. Er wußte, daß sich Victoirens Worte, so sehr sie Pikanterien und Andeutungen liebte, ganz unmöglich gegen ihn gerichtet haben konnten. Und darin traf er’s auch. Es war alles nur jeu d’esprit, eine Nachgiebigkeit gegen ihren Hang z u philosophieren. Und doch, alles, was sie gesagt hatte, so gewiß es absichtslos gesagt worden war, so gewiß war es doch auch aus einer dunklen Ahnung heraus gesprochen worden. Als ihr Streit schwieg, hatte man den Dorfeingang erreicht, und Schach hielt, um auf Frau von Carayon und Tante Marguerite, die sich beide versäumt hatten, zu warten. Als sie heran waren, bot er der Frau von Carayon den Arm und führte diese bis an das Gasthaus zurück. Victoire sah ihnen betroffen nach und sann nach über den Tausch, den Schach mit keinem Worte der Entschuldigung begleitet hatte. »Was war das?« Und sie verfärbte sich, als sie sich, aus einem plötzlichen Argwohn heraus, die selbstgestellte Frage beantwortet hat te. Von einem Wiederplatznehmen vor dem Gasthause war keine Rede mehr, und man gab es um so leichter und lieber auf, als es inzwischen kühl geworden und der Wind, der den ganzen Tag über geweht hatte, nach Nordwesten hin umgesprungen war. Tante Marguerite bat sich den Rücksitz aus, »um nicht gegen dem Winde zu fahren.« Niemand widersprach. So nahm sie denn den erbetenen Platz, und während jeder in Schweigen überdachte, was ihm der Nachmittag gebracht hatte, ging es in immer rascherer Fahrt wieder auf die Stadt zurück. Diese lag schon in Dämmer, als man an den Abhang der Kreuzberghöhe gekommen war, und nur die beiden Gensdarmentürme ragten noch mit ihren Kuppeln aus dem graublauen Nebel empor. 20
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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