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Der Schach von Wuthenow

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»Einer ist da«, sagte die Kleine. »Dieser hier«, und wies auf ein abgetretenes, aber doch noch deutlich erkennbares Steinbild, das aufrecht in einen Pfeiler, dicht neben dem Altar, eingemauert war. Es war ersichtlich ein Reiteroberst. »Und wer ist es?« fragte Schach. »Ein  Tempelritter«,  erwiderte  das  Kind,  »und  hieß  der  Ritter  von  Tempelhof.  Und  diesen Grabstein ließ er schon bei Lebzeiten machen, weil er wollte, daß er ihm ähnlich werden sollte.« Hier nickte das Tantchen zustimmend, weil das Ähnlichkeitsbedürfnis des angeblichen Ritters von Tempelhof eine verwandte Saite in ihrem Herzen traf. »Und er baute diese Kirche«, fuhr die Kleine fort, »und baute zuletzt auch das Dorf, und nannte es  Tempelhof,  weil  er  selber  Tempelhof  hieß.  Und  die  Berliner  sagen  ›Templow‹.  Aber  es  ist falsch.« All das nahmen die Damen in Andacht hin, und nur Schach, der neugierig geworden war, fragte weiter, »ob sie nicht das ein oder andere noch aus den Lebzeiten des  Ritters wisse?« »Nein, aus seinen Lebzeiten nicht. Aber nachher.« Alle horchten auf, am meisten das sofort einen leisen Grusel verspürende Tantchen; die Kleine hingegen fuhr in ruhigem Tone fort: »Ob es alles  so wahr ist, wie die Leute sagen, das weiß ich nicht. Aber der alte Kossäthe Maltusch hat es noch miterlebt.« »Aber was denn, Kind?« »Er   lag   hier   vor   dem   Altar   über   hundert   Jahre,   bis   es   ihn   ärgerte,   daß   die   Bauern   und Einsegnungskinder immer auf ihm herumstanden und ihm das Gesicht abschurrten, wenn sie zum Abendmahl gingen. Und der alte Maltusch, der jetzt ins neunzigste geht, hat mir und meinem Vater erzählt,  er  hab  es  noch  mit  seinen  eigenen  Ohren  gehört,  daß  es  noch  mitunter  so  gepoltert  und gerollt hätte, wie wenn es drüben über Schmargendorf donnert.« »Wohl möglich.« »Aber sie verstanden nicht, was das Poltern und Rollen bedeutete«, fuhr die Kleine fort. »Und so ging es, bis das Jahr, wo der russische General, dessen Namen ich immer vergesse, hier auf dem Tempelhofer  Felde  lag.  Da  kam  einen  Sonnabend  der  vorige  Küster  und  wollte  die  Singezahlen wegwischen und neue für den Sonntag anschreiben. Und nahm auch schon das Kreidestück. Aber da  sah  er  mit  einem  Male,  daß  die  Zahlen  schon  weggewischt  und  neue  Gesangbuchzahlen  und auch   die   Zahlen   von   einem   Bibelspruch,   Kapitel   und   Vers,   mit   angeschrieben   waren.   Alles altmodisch und undeutlich, und nur so grade noch zu lesen. Und als sie nachschlugen, da fanden sie: ›Du sollst deinen Toten in Ehren halten und ihn nicht schädigen an seinem Antlitz.‹ Und nun wußten  sie,  wer  die  Zahlen  geschrieben,  und  nahmen  den  Stein  auf  und  mauerten  ihn  in  diesen Pfeiler.« »Ich   finde   doch«,   sagte   Tante   Marguerite,   die,   je   schrecklicher   sie   sich   vor   Gespenstern fürchtete,  desto  lebhafter  ihr  Vorhandensein  bestritt,  »ich  finde  doch,  die  Regierung  sollte  mehr gegen den Aberglauben tun.« Und dabei wandte sie sich ängstlich von dem unheimlichen Steinbild ab und ging mit Frau von Carayon, die, was Gespensterfurcht anging, mit dem Tantchen wetteifern konnte, wieder dem Ausgange zu. Schach folgte mit Victoire, der er den Arm gereicht hatte. »War es wirklich ein Tempelritter?« fragte diese. »Meine Tempelritterkenntnis beschränkt sich freilich   nur   auf   den   einen   im   ›Nathan‹,   aber   wenn   unsre   Bühne   die   Kostümfrage   nicht   zu willkürlich behandelt hat, so müssen die Tempelritter durchaus anders ausgesehen haben. Hab ich recht?« »Immer recht, meine liebe Victoire.« Und der Ton dieser Worte traf ihr Herz und zitterte darin nach, ohne daß sich Schach dessen bewußt gewesen wäre. »Wohl. Aber wenn kein Templer, was dann?« fragte sie weiter und sah ihn zutraulich und doch verlegen an. »Ein  Reiteroberst  aus  der  Zeit  des  Dreißigjährigen  Krieges.  Oder  vielleicht  auch  erst  aus  den Tagen von Fehrbellin. Ich las sogar seinen Namen: Achim von Haake.« »So halten Sie die ganze Geschichte für ein Märchen?« 19
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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