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Der Schach von Wuthenow

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»Wovon?« »Von der Serenade. Die Carolath ist eine Dame von Welt und vor allem eine Fürstin. Und Sie wissen  doch,  was  Ihnen  nachgesagt  wird,  ›daß  Sie  der  garstigsten  princesse  vor  der  schönsten bourgeoise den Vorzug geben würden‹. Jeder garstigen Prinzeß, sag ich. Aber zum Überfluß ist die Carolath auch noch schön. Un teint de lys et de rose. Sie werden mich eifersüchtig machen.« Schach küßte der schönen Frau die Hand. »Tante Marguerite hat Ihnen richtig berichtet, und Sie sollen  nun  alles  hören.  Auch  das  Kleinste.  Denn  wenn  es  mir,  wie  zugestanden,  eine  Freude gewährt,  einen  solchen  Abend  unter  meinen  Erlebnissen  zu  haben,  so  gewährt  es  mir  doch  eine noch größere Freude, mit meiner schönen Freundin darüber plaudern zu können. Ihre Pläsanterien, die so kritisch und doch zugleich so voll guten Herzens sind, machen mir erst alles lieb und wert! Lächeln Sie nicht. Ach, daß ich Ihnen alles sagen könnte. Teure Josephine, Sie sind mir das Ideal einer Frau: klug und doch ohne Gelehrsamkeit und Dünkel, espritvoll und doch ohne Mokanterie. Die   Huldigungen,   die   mein   Herz   darbringt,   gelten   nach   wie   vor   nur   Ihnen,   Ihnen,   der Liebenswürdigsten und Besten. Und das ist Ihr höchster Reiz, meine teure Freundin, daß Sie nicht einmal wissen, wie gut Sie sind, und welch stille Macht Sie über mich üben.« Er hatte fast mit Bewegung gesprochen, und das Auge der schönen Frau leuchtete, während ihre Hand in der seinen zitterte. Rasch aber nahm sie den scherzhaften Ton wieder auf und sagte: »Wie gut  Sie  zu  sprechen  verstehen.  Wissen  Sie  wohl,  so  gut  spricht  man  nur  aus  der  Verschuldung heraus.« »Oder aus dem Herzen. Aber lassen wir’s bei der Verschuldung, die nach Sühne verlangt. Und zunächst nach Beichte. Deshalb kam ich gestern. Ich hatte vergessen, daß Ihr Empfangsabend war, und erschrak fast, als ich Bülow sah, und diesen aufgedunsenen Roturier, den Sander. Wie kommt er nur in Ihre Gesellschaft?« »Er ist der Schatten Bülows.« »Ein  sonderbarer  Schatten,  der  dreimal  schwerer  wiegt  als  der  Gegenstand,  der  ihn  wirft.  Ein wahres Mammut. Nur seine Frau soll ihn noch übertreffen, weshalb ich neulich spöttisch erzählen hörte, ›Sander, wenn er seine Brunnenpromenade vorhabe, gehe nur dreimal um seine Frau herum‹. Und dieser Mann Bülows Schatten! Wenn Sie lieber sagten, sein Sancho Pansa ...« »So nehmen Sie Bülow selbst als Don Quixote?« »Ja, meine Gnädigste ... Sie wissen, daß es mir im allgemeinen widersteht, zu medisieren aber dies ist au fond nicht medisieren, ist eher Schmeichelei. Der gute Ritter von La Mancha war ein ehrlicher Enthusiast, und nun frag ich Sie, teuerste Freundin, läßt sich von Bülow dasselbe sagen? Enthusiast! Er ist exzentrisch, nichts weiter, und das Feuer, das in ihm brennt, ist einfach das einer infernalen Eigenliebe.« »Sie verkennen ihn, lieber Schach. Er ist verbittert, gewiß; aber ich fürchte, daß er ein Recht hat, es zu sein.« »Wer an krankhafter Überschätzung leidet, wird immer tausend Gründe haben, verbittert zu sein. Er zieht von Gesellschaft zu Gesellschaft und predigt die billigste der Weisheiten, die Weisheit post festum. Lächerlich. An allem, was uns das letzte Jahr an Demütigungen gebracht hat, ist, wenn man ihn hört, nicht der Übermut oder die Kraft unserer Feinde schuld, o nein, dieser Kraft würde man mit  einer  größeren  Kraft  unschwer  haben  begegnen  können,  wenn  man  sich  unsrer  Talente,  will also sagen, der Talente Bülows, rechtzeitig versichert hätte. Das unterließ die Welt, und daran geht sie  zugrunde.  So  geht  es  endlos  weiter.  Darum  Ulm  und  darum  Austerlitz.  Alles  hätt  ein  andres Ansehen  gewonnen,  sich  anders  zugetragen,  wenn  diesem  korsischen  Thron-  und  Kronenräuber, diesem   Engel   der   Finsternis,   der   sich   Bonaparte   nennt,   die   Lichtgestalt   Bülows   auf   dem Schlachtfeld  entgegengetreten  wäre.  Mir  widerwärtig.  Ich  hasse  solche  Fanfaronaden.  Er  spricht von   Braunschweig   und   Hohenlohe   wie   von   lächerlichen   Größen,   ich   aber   halte   zu   dem fridericianischen Satze, daß die Welt nicht sicherer auf den Schultern des Atlas ruht, als Preußen auf den Schultern seiner Armee.« Während dieses Gespräch zwischen Schach und Frau von Carayon geführt wurde, war das ihnen voranschreitende Paar bis an eine Wegstelle  gekommen, von der aus ein Fußpfad über ein frisch gepflügtes Ackerfeld hin sich abzweigte. 17
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
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