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Der Schach von Wuthenow

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setzte dabei beide Carayonsche Damen ebensosehr durch ihre Namensverwechselungen, wie durch Entdeckung gar nicht vorhandener Ähnlichkeiten in Erstaunen. »Sie,     liebe     Victoire,     dieser     Wülmersdörfer     Kürchtürm!     Ähnelt     der     nicht     unsrer Dorotheenstädtschen Kürche?« Victoire schwieg. »Ich meine nicht um seiner Spitze, liebe Victoire, nein, um seinem Corps de Logis.« Beide  Damen  erschraken.  Es  geschah  aber,  was  gewöhnlich  geschieht,  das  nämlich,  daß  alles das, was die Näherstehenden in Verlegenheit bringt, von den Fernerstehenden entweder überhört oder aber mit Gleichgültigkeit aufgenommen wird. Und nun gar Schach! Er hatte viel zu lange in der  Welt  alter  Prinzessinnen  und  Hofdamen  gelebt,  um  noch  durch  irgendein  Dummheits-  oder Nichtbildungszeichen in ein besonderes Erstaunen gesetzt werden zu kö nnen. Er lächelte nur und benutzte das Wort »Dorotheenstädtsche Kirche«, das gefallen war, um Frau von Carayon zu fragen, »ob sie schon von dem Denkmal Kenntnis genommen habe, das in ebengenannter Kirche seitens des hochseligen Königs seinem Sohne, dem Grafen von der Mark, errichtet worden sei?« Mutter und Tochter verneinten. Tante Marguerite jedoch, die nicht gerne zugestand, etwas nicht zu  wissen  oder  wohl  gar  nicht  gesehen  zu  haben,  bemerkte  ganz  ins  allgemeine  hin:  »Ach,  der liebe,  kleine  Prinz.  Daß  er  so  früh  sterben  mußte.  Wie  jämmerlich.  Und  ähnelte  doch  seiner hochseligen Frau Mutter um beiden Augen.« Einen  Augenblick  war  es,  als  ob  der  in  seinem  Legitimitätsgefühle  stark  verletzte  Schach antworten  und  den  »von  seiner  hochseligen  Mutter«  geborenen  »lieben  kleinen  Prinzen«  aufs schmählichste  dethronisieren  wollte;  rasch  aber  übersah  er  die  Lächerlichkeit  solcher  Idee,  wies also lieber, um doch wenigstens etwas zu tun, auf das eben sichtbar werdende grüne Kuppeldach des Charlottenburger Schlosses hin und bog im nächsten Augenblick in die große, mit alten Linden bepflanzte Dorfgasse von Tempelhof ein. Gleich das zweite Haus war ein Gasthaus. Er gab dem Groom die Zügel und sprang ab, um den Damen beim Aussteigen behilflich zu sein. Aber nur Frau von Carayon und Victoire nahmen die Hilfe  dankbar  an,  während  Tante  Marguerite  verbindlich  ablehnte,  »weil  sie  gefunden  habe,  daß man sich auf seinen eigenen Händen immer am besten verlassen könne«. Der  schöne  Tag  hatte  viele  Gäste  hinausgelockt,  und  der  von  einem  Staketenzaun  eingefaßte Vorplatz war denn auch an allen seinen Tischen besetzt. Das gab eine kleine Verlegenheit. Als man aber    eben    schlüssig    geworden    war,    in    dem    Hintergarten,    unter    einem    halboffenen Kegelbahnhäuschen, den Kaffee zu nehmen, ward einer der Ecktische frei, so daß man in Front des Hauses, mit dem Blick auf die Dorfstraße, verbleiben konnte. Das geschah denn auch, und es traf sich, daß es der hübscheste Tisch war. Aus seiner Mitte wuchs ein Ahorn auf, und wenn es auch, ein  paar  Spitzen  abgerechnet,  ihm  vorläufig  noch  an  allem  Laubschmuck  fehlte,  so  saßen  doch schon  die  Vögel  in  seinen  Zweigen  und  zwitscherten.  Und  nicht  das  bloß  sah  man;  Equipagen hielten in der Mitte der Dorfstraße, die Stadtkutscher plauderten, un d Bauern und Knechte, die mit Pflug  und  Egge  vom  Felde  hereinkamen,  zogen  an  der  Wagenreihe  vorüber.  Zuletzt  kam  eine Herde, die der Schäferspitz von rechts und links her zusammenhielt, und dazwischen hörte man die Betglocke, die läutete. Denn es war eben die sechste Stunde. Die  Carayons,  so  verwöhnte  Stadtkinder  sie  waren,  oder  vielleicht  auch  weil  sie’s  waren, enthusiasmierten sich über all und jedes und jubelten, als Schach einen Abendsp aziergang in die Tempelhofer   Kirche   zur   Sprache   brachte.   Sonnenuntergang   sei   die   schönste   Stunde.   Tante Marguerite   freilich,   die   sich   »vor   dem   unvernünftigen   Viehe«   fürchtete,   wäre   lieber   am Kaffeetische  zurückgeblieben;  als  ihr  aber  der  zu  weiterer  Beruhigung  herbeigerufene  Wirt  aufs eindringlichste versichert hatte, »daß sie sich um den Bullen nicht zu fürchten brauche«, nahm sie Victoirens  Arm  und  trat  mit  dieser  auf  die  Dorfstraße  hinaus,  während  Schach  und  Frau  von Carayon folgten. Alles, was noch an dem Staketenzaune saß, sah ihnen nach. »Es ist nichts so fein gesponnen«, sagte Frau von Carayon und lach te. Schach sah sie fragend an. »Ja, lieber Freund, ich weiß alles. Und niemand Geringeres als Tante Marguerite hat uns heute Mittag davon erzählt.« 16
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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