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Der Schach von Wuthenow

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rechtzeitig ins Gewehr zu treten und die Trommel zu rühren, sie nicht nur das allgemeine Gefühl der Empörung teilte, sondern das Ereignis überhaupt ansah, als ob Berlin ein Erdbeben gehabt habe. Das war das Tantchen, das eben eintrat. Frau  von  Carayon  ging  ihr  entgegen  und  hieß  sie  herzlich  willkommen,  herzlicher  als  sonst wohl, und das einfach deshalb, weil durch ihr Erscheinen ein Gespräch unterbrochen worden war, das  selbst  fallen  zu  lassen  sie  nicht  mehr  die  Kraft  gehabt  hatte.  Tante  Marguerite  fühlte  sofort heraus,   wie   günstig   heute   die   Dinge   für   sie   lagen,   und   begann   denn   auch   in   demselben Augenblicke, wo sie sich gesetzt und die Seidenhandschuh in ihren Pompadour gesteckt hatte, sich dem hohen Adel königlicher Residenzien zuzuwenden, diesmal mit Umgehung der »Allerhöchsten Herrschaften«. Ihre Mitteilungen aus der Adelssphäre waren ihren H ofanekdoten in der Regel weit vorzuziehen und hätten ein für allemal passieren können, wenn sie nicht die Schwäche gehabt hätte, die doch immerhin wichtige Personalfrage mit einer äußersten Geringschätzung zu behandeln. Mit andern  Worten,  sie  verwechselte  beständig  die  Namen,  und  wenn  sie  von  einer  Escapade  der Baronin Stieglitz erzählte, so durfte man sicher sein, daß sie die Gräfin Taube gemeint hatte. Solche Neuigkeiten  eröffneten  denn  auch  das  heutige  Gespräch,  Neuigkeiten,  unter  denen  die,  »daß  der Rittmeister  von  Schenk  vom  Regiment  Garde  du  Corps  der  Prinzessin  von  Croy  eine  Serenade gebracht  habe«,  die  weitaus  wichtigste  war,  ganz  besonders  als  sich  nach  einigem  Hin-  und Herfragen  herausstellte,  daß  der  Rittmeister  von  Schenk  in  den  Rittmeister  von  Schach,  das Regiment  Garde  du  Corps  in  das  Regiment  Gensdarmes,  und  die  Prinzessin  von  Croy  in  die Prinzessin von Carolath zu transponieren sei. Solche Richtigstellungen wurden von seiten der Tante jedesmal ohne jede Spur von Verlegenheit entgegengenommen, und solche Verlegenheit kam ihr denn auch heute nicht, als ihr, zum Schluß ihrer Geschichte, mitgeteilt wurde, daß der Rittmeister von Schenk alias Schach noch im Laufe dieses Nachmittags erwartet werde, da man eine Fahrt über Land mit ihm verabredet habe. Vollkommener Kavalier wie er sei, werde er sich sicherlich freuen, eine liebe Verwandte des Hauses an dieser Ausfahrt teilnehmen zu sehen. Eine Bemerkung, die von Tante Marguerite sehr wohlwollend aufgenommen und von einem unwillkürlichen Zupfen an ihrem Taftkleide begleitet wurde. Um Punkt drei war man zu Tische gegangen, und um Punkt vier – l’exactitude est la politesse des rois, würde Bülow gesagt haben – erschien eine zurückgeschlagene Halbchaise vor der Tür in der Behrenstraße. Schach, der selbst fuhr, wollte die Zügel dem Groom geben, beide Carayons aber grüßten  schon  reisefertig  vom  Balkon  her  und  waren  im  nächsten  Moment  mit  einer  ganzen Ausstattung  von  Tüchern,  Sonnen-  und  Regenschirmen  unten  am  Wagenschlag.  Mit  ihnen  auch Tante Marguerite, die nunmehr vorgestellt und von Schach mit einer ihm eigentümlichen Mischung von Artigkeit und Grandezza begrüßt wurde. »Und nun das dunkle Ziel, Fräulein Victoire.« »Nehmen wir Tempelhof«, sagte diese. »Gut gewählt. Nur Pardon, es ist das undunkelste Ziel von der Welt. Namentlich heute. Sonne und wieder Sonne.« In raschem Trabe ging es die Friedrichstraße hinunter, erst auf das Rondel und das Hallesche Tor zu, bis der tiefe Sandweg, der zum Kreuzberg hinaufführte, zu langsamerem Fahren nötigte. Schach glaubte,  sich  entschuldigen  zu  müssen,  aber  Victoire,  die  rückwärts  saß  und  in  halber  Wendung bequem mit ihm sprechen konnte, war, als echtes Stadtkind, aufrichtig entzückt über all und jedes, was sie zu beiden Seiten des Weges sah und wurde nicht müde, Fragen zu stellen und ihn durch das Interesse,  das  sie  zeigte,  zu  beruhigen.  Am  meisten  amüsierten  sie  die  seltsam  ausgestopften Altweibergestalten,  die  zwischen  den  Sträuchern  und  Gartenbeeten  umherstanden  und  entweder eine Strohhutkiepe trugen oder mit ihren hundert Papilloten im Winde flatterten und klapperten. Endlich  war  man  den  Anhang  hinauf,  und  über  den  festen  Lehmweg  hin,  der  zwischen  den Pappeln lief, trabte man jetzt wieder rascher auf Tempelhof zu. Neben der Straße stiegen Drachen auf,   Schwalben   schossen   hin   und   her,   und   am   Horizonte   blitzten   die   Kirchtürme   der nächstgelegenen Dörfer. Tante   Marguerite,   die   bei   dem   Winde,   der   ging,   beständig   bemüht   war,   ihren   kleinen Mantelkragen in Ordnung zu halten, übernahm es nichtsdestoweniger, den Führer zu machen, und 15
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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