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Der Schach von Wuthenow

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»Und  eine  Blondine,  sagten  Sie.  Dann  freilich  erklärt  sich  alles.  Denn  neben  einer  Prinzessin Flachshaar  kann  unser  Fräulein  Victoire  nicht  bestehn.  Und  nicht  einmal  die  schöne  Mama,  die schön ist, aber doch am Ende brünett. Und blond geht immer vor schwarz.« »Ich möchte das nicht geradezu zum Axiom erheben«, fuhr Nostitz fort. »Es hängt doch alles noch von Nebenumständen ab, die hier freilich ebenfalls zu Gunsten meiner Freundin sprechen. Die schöne Mama, wie Sie sie nennen, wird siebenunddreißig, bei welcher Addition ich freilich galant genug bin, ihr ihre vier Ehejahre halb statt doppelt zu rechnen. Aber das ist Schachs Sache, der über kurz oder lang in der Lage sein wird, ihren Taufschein um seine Geheimnisse zu befragen.« »Wie das?« fragte Bülow. »Wie das?« wiederholte Nostitz. »Was doch die Gelehrten, und wenn es gelehrte Militärs wären, für  schlechte  Beobachter  sind.  Ist  Ihnen  denn  das  Verhältnis  zwisc hen  beiden  entgangen? Ein ziemlich vorgeschrittenes, glaub ich. C’est le premier pas, qui coûte ...« »Sie drücken sich etwas dunkel aus, Nostitz.« »Sonst nicht gerade mein Fehler.« »Ich  meinerseits  glaube  Sie  zu  verstehen«,  unterbrach  Alvensleben.  »Aber  Sie  täuschen  sich, Nostitz, wenn Sie daraus auf eine Partie schließen. Schach ist eine sehr eigenartige Natur, die, was man  auch  an  ihr  aussetzen  mag,  wenigstens  manche  psychologische  Probleme  stellt.  Ich  habe beispielsweise keinen Menschen kennengelernt, bei dem alles so ganz und gar auf das Ästhetische zurückzuführen   wäre,   womit   es   vielleicht   in   einem   gewissen   Zusammenhange   steht,   daß   er überspannte  Vorstellungen  von  Intaktheit  und  Ehe  hat.  Wenigstens  von  einer  Ehe,  wie  er  sie  zu schließen wünscht. Und so bin ich denn wie von meinem Leben überzeugt, er wird niemals eine Witwe heiraten, auch die schönste nicht. Könnt aber hierüber noch irgend ein Zweifel sein, so würd ihn ein Umstand beseitigen, und dieser eine Umstand heißt: ›Victoire‹.« »Wie das?« »Wie schon so mancher Heiratsplan an einer unrepräsentablen Mutter gescheitert ist, so würd er hier  an  einer  unrepräsentablen  Tochter  scheitern.  Er  fühlt  sich  durch  ihre  mangelnde  Schönheit geradezu   geniert,   und   erschrickt   vor   dem   Gedanken,   seine   Normalität,   wenn   ich   mich   so ausdrücken  darf,  mit  ihrer  Unnormalität  in  irgendwelche  Verbindung  gebracht  zu  sehen.  Er  ist krankhaft  abhängig,  abhängig  bis  zur  Schwäche,  von  dem  Urteile  der  Menschen,  speziell  seiner Standesgenossen, und würde sich jederzeit außerstande fühlen, irgendeiner Prinzessin oder auch nur einer hochgestellten Dame Victoiren als seine Tochter vorzustellen.« »Möglich. Aber dergleichen läßt sich vermeiden.« »Doch  schwer.  Sie  zurückzusetzen  oder  ganz  einfach  als  Aschenbrödel  zu  behandeln,  das widerstreitet seinem feinen Sinn, dazu hat er das Herz zu sehr auf dem rechten Fleck. Auch würde Frau  von  Carayon  das  einfach  nicht  dulden.  Denn  so  gewiß  sie  Schach  liebt,  so  gewiß  liebt  sie Victoire, ja, sie liebt diese noch um ein gut Teil mehr. Es ist ein absolut ideales Verhältnis zwischen Mutter und Tochter, und gerade dies Verhältnis ist es, was mir das Haus so wert gemacht hat und noch macht.« »Also  begraben  wir  die  Partie«,  sagte  Bülow.  »Mir  persönlich  zu  besondrer  Genugtuung  und Freude, denn ich schwärme für diese Frau. Sie hat den ganzen Zauber des Wahren und Natürlichen, und selbst ihre Schwächen sind reizend und liebenswürdig. Und daneben dieser Schach! Er mag seine  Meriten  haben,  meinetwegen,  aber  mir  ist  er  nichts  als  ein  Pedant  und  Wichtigtuer  und zugleich  die  Verkörperung  jener  preußischen  Beschränktheit,  die  nur  drei  Glaubensartikel  hat: erstes Hauptstück ›die Welt ruht nicht sichrer auf den Schultern des Atlas, als der preußische Staat auf den Schultern der preußischen Armee‹, zweites Hauptstück ›der preußische Infanterieangriff ist unwiderstehlich‹,  und  drittens  und  letztens  ›eine  Schlacht  ist  nie  verloren,  solange  das  Regiment Garde du Corps nicht angegriffen hat‹. Oder natürlich auch das Regiment Gensdarmes. Denn sie sind Geschwister, Zwillingsbrüder. Ich verabscheue solche Redensarten , und der Tag ist nahe, wo die Welt die Hohlheit solcher Rodomontaden erkennen wird.« »Und doch unterschätzen Sie Schach. Er ist immerhin einer unserer Besten.« »Um so schlimmer.« 11
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
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Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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