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Der Schach von Wuthenow

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wurde,  wie  wenn  auf  eine  Feder  gedrückt  worden  wäre,  sofort  sichtbar,  übersprang  diensteifrig, indem er die Hand aufsetzte, die letzten zwei, drei Stufen und stand im Nu vor Sander, den er, allem Anscheine nach, am besten kannte. »Sagen Sie, Fritz, wie verhält sich die Firma Sala Tarone zur Maibowle?« »Gut. Sehr gut.« »Aber wir haben erst April, und so sehr ich im allgemeinen der Mann der Surrogate bin, so haß ich  doch  eins:  die  Tonkabohne.  Die  Tonkabohne  gehört  in  die  Schnupftabakdose,  nicht  in  die Maibowle. Verstanden?« »Zu dienen, Herr Sander.« »Gut denn. Also Maikräuter. Und nicht lange ziehen lassen. Waldmeister ist nicht Kamillentee. Der  Mosel,  sagen  wir  ein  Zeltinger  oder  ein  Brauneberger,  wird  langsam  über  die  Büschel gegossen,   das   genügt.   Apfelsinenschnitten   als   bloßes   Ornament.   Eine   Scheibe   zuviel   macht Kopfweh. Und nicht zu süß, und eine Cliquot extra. Extra, sag ich.  Besser ist besser.« Damit war die Bestellung beendet, und ehe zehn Minuten um waren, erschien die Bowle, darauf nicht mehr als drei oder vier Waldmeisterblättchen schwammen, nur gerade genug, den Beweis der Echtheit zu führen. »Sehen Sie, Fritz, das gefällt mir. Auf mancher Maibowle schwimmt es wie Entengrütze. Und das ist schrecklich. Ich denke, wir werden Freunde bleiben. Und nun grü ne Gläser.« Alvensleben lachte. »Grüne?« »Ja. Was sich dagegen sagen läßt, lieber Alvensleben, weiß ich und laß es gelten. Es ist in der Tat  eine  Frage,  die  mich  seit  länger  beschäftigt,  und  die,  neben  anderen,  in  die  Reihe  j ener Zwiespalte gehört, die sich, wir mögen es anfangen wie wir wollen, durch unser Leben hinziehen. Die Farbe des Weins geht verloren, aber die Farbe des Frühlings wird gewonnen, und mit ihr das festliche Gesamtkolorit. Und dies erscheint mir als der wichtigere Punkt. Unser Essen und Trinken, soweit   es   nicht   der   gemeinen   Lebensnotdurft   dient,   muß   mehr   und   mehr   zur   symbolischen Handlung werden, und ich begreife Zeiten des späteren Mittelalters, in denen der Tafelaufsatz und die Fruchtschalen mehr bedeuteten als das Mahl selbst.« »Wie   gut   Ihnen   das   kleidet,   Sander«,   lachte   Bülow.   »Und   doch   dank   ich   Gott,   Ihre Kapaunenrechnung nicht bezahlen zu müssen.« »Die Sie schließlich doch bezahlen.« »Ah, das erste Mal, daß ich einen dankbaren Verleger in Ihnen entdecke. Stoßen wir an ... Aber alle Welt, da steigt ja der lange Nostitz aus der Versenkung. Sehen Sie, Sander, er nimmt gar kein Ende ...« Wirklich, es war Nostitz, der unter Benutzung eines geheimen Eingangs eben die Kellertreppe hinaufstolperte, Nostitz von den Gensdarmes, der längste Leutnant der Armee, der, trotzdem er aus dem  Sächsischen  stammte,  seiner  sechs  Fuß  drei  Zoll  halber  so  ziemlich  ohne  Widerrede  beim Eliteregiment Gensdarmes eingestellt und mit einem verbliebenen kleinen Reste von Antagonismus mittlerweile längst fertig geworden war. Ein tollkühner Reiter und ein noch tollkühnerer Courund Schuldenmacher, war er seit lang ein Allerbeliebtester im Regiment, so beliebt, daß ihn sich der »Prinz«, der kein anderer war als Prinz Louis, bei Gelegenheit der vorjährigen Mobilisierung zum Adjutanten erbeten hatte. Neugierig, woher er komme, stürmte man mit Fragen auf ihn ein, aber erst als er sich in dem Ledersofa  zurecht  gerückt  hatte,  gab  er  Antwort  auf  all  das,  was  man  ihn  fragte.  »Woher  ich komme? Warum ich bei den Carayons geschwänzt habe? Nun, weil ich in Französisch-Buchholz nachsehen wollte, ob die Störche schon wieder da sind, ob der Kuckuck schon wieder schreit und ob  die  Schulmeisterstochter  noch  so  lange,  flachsblonde  Flechten  hat  wie  voriges  Jahr.  Ein reizendes Kind. Ich lasse mir immer die Kirche von ihr zeigen, und wir steigen dann in den Turm hinauf, weil ich eine Passion für alte Glockeninschriften habe. Sie glauben gar nicht, was sich in solchem  Turme  alles  entziffern  läßt.  Ich  zähle  das  zu  meinen  glücklichsten  und  lehrreichsten Stunden.« 10
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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